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Kameramann Siegfried Braun: Auf den Spuren der Schneeleoparden

 

 

Hopferau.   Ulan Bator, übersetzt „Roter Held“, ist die Hauptstadt der zentralasiatischen Republik Mongolei. Sie hat 845.000 Einwohner und liegt in einer Höhe von 1.352 Meter über Normal Null am Fuße des 1.914 Meter hohen Berges Bogd Khan Uul. Mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von -2 Grad gilt Ulan Bator als die kälteste Hauptstadt der Welt. Dort, etwa drei Stunden davon entfernt, leben die Schneeleoparden. Ihre Körper sind an das Leben in der eisigen Wildnis von atemberaubender Schönheit und Gefährlichkeit angepasst. Nur wenige haben es geschafft den Schneeleoparden in der Wildnis zu fotografieren. Sigi Braun (rechts im Bild) ist einer von ihnen. Vier Wochen lang war er mit Florian Hipp im Auftrag des Bayerischen Fernsehens in der Mongolei um einen Schneeleoparden zu besenden.

Eiskalt war es als Sigi Braun und sein kleines Team in Ulan Bator landeten. Dass es noch kälter werden würde konnte er sich fast gar nicht vorstellen. „Die Mongolen sagten uns, dass es einer der härtesten Winter ist. Selbst sie hatten es noch nicht so erlebt. Wenn die Frauen an der Quelle das Wasser holten gefroren die Wasserspritzer in der Luft. Es ist eine trockene, harte Kälte“, erzählt der Kameramann.

 

Der Beginn

Zehn Jahre lebte Sigi Braun auf den Malediven. Er war 19 Jahre als er sich dazu entschloss, seine Leidenschaft, das Tauchen, zum Beruf zu machen. Heute noch hat er Kontakt zu Einheimischen auf den Malediven. Die Landessprache Divehi, spricht er heute noch fließend. In dieser Zeit hat er das Filmen gelernt. Es war mehr oder weniger ein Zufall, der wie so oft etwas ganz besonderes birgt. Ein Kamerateam des ZDF wollte Unterwasseraufnahmen von Hammerhaien machen. Fast vier Wochen lang versuchten sie es vergeblich, bis sie Sigi Braun kennen lernten. Er führte sie in aller Frühe in 45 Meter Tiefe zu den Tieren. „Es war schon gigantisch plötzlich 59 Hammerhaie vor sich zu haben“, erzählt er beeindruckt. Beeindruckt waren im wahrsten Sinne des Wortes auch die Fernsehleute. Sie überließen ihm die Kamera mit der Bitte weitere Aufnahmen für sie zu machen. So begann seine Karriere als Unterwasserkameramann. 120 Dokumentarfilme drehte Sigi Braun. Unter anderem die „Die Kraken von Stomboli“ und  „Wels, das Monster im Badesee“, der jetzt auf den Filmtagen im Tannheimer Tal gezeigt wird. Sein Film „Die vier Jahreszeiten eines Sees“ wurde sogar mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Es war einer der aufwendigsten Filme, die Sigi Braun je gemacht hatte. Sieben Jahre lang brauchte er für die Aufnahmen. „Es ist schwieriger im Süßwasser zu filmen, der technische Aufwand ist viel größer als im Meer“, erläutert der Fachmann.

Bald machte sich Sigi Braun mit seiner Filmerei einen Namen. Er lernte Rodney Fox in Australien kennen, der 1963 während der australischen Tauchmeisterschaften von einem etwa 3,5 Meter langen Weißen Hai in die Seite gebissen wurde, so dass Herz, Lunge und Magen freigelegt waren. Trotz der schweren Attacke, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte, setzt er sich für den Schutz der Haie ein. Sigi Braun machte dort fantastische Aufnahmen. „In Deutschland war es der Hammer, weiße Haie ohne Käfig zu filmen“, erinnert er sich. Jahre später filmte er wieder die weißen Haie dieses Mal für Vox.  Gemeinsam mit  Ernst Stritzinger, Kameramann „Das Boot“, Filmdoubel von Pierce Brosnan, Kevin McKinney der auch Kameraman ist sowie Stuart Cove verbindet den Hopferauer nicht nur die Liebe zur Unterwasserkamera sondern auch eine jahzehntelange Freundschaft.

Heute macht sich Braun Sorgen um die Haie und die Umwelt. „Wenn der Hai aus dem Meer verschwindet dann stirbt das Meer“.

Faszination Schneeleopard

Vor einigen Monaten machte sich Sigi Braun auf in die Mongolei. Sein Auftraggeber, Christian Hermann, Chef der Filmtage im Tannheimer Tal, will mehr über die Lebensumstände der Schneeleoparden erfahren. Sigi Braun und sein Assistent Florian Hipp hatten die Aufgabe, einen Schneeleoparden zu besenden, um so die notwendigen Informationen über seine Lebensweise zu bekommen. Beinahe wäre die Zeit abgelaufen und die zwei Kameramänner wären ohne jegliche Erkenntnisse über die Schneeleoparden wieder zurück nach Hause geflogen. Doch sie hatten Glück. Ihre Kollegen von der BBC hingegen weniger. Sie sollten die wilden Kamele der Mongolei filmen, doch vergeblich. „Die Landschaft hier ist faszinierend. Sie ist so karg und doch lebendig. Die Mongolen sind größtenteils Nomaden und sind es gewohnt, immer weiter zu ziehen“, so Braun. Ziegen und Schafe haben hier nicht die Mengen an Futter, wie vielleicht ein Tier in Europa es vorfinden würde. In der Wüste Gobi, die durch Felsformationen und Geröllsteine geprägt ist, läuft die Zeit etwas anders. „Wenn dort ein Wind weht, sprechen wir von einem Sturm“, fasst Braun zusammen. Überall gibt es Stein- und Holzmale, sogenannte Ovoos. „Ovoos kennzeichnen heilige Plätze, an denen Erdgeister sich aufhalten. Das Darbringen blauer Khadags (Gebetsschals) oder anderer Opfer wie Vodka oder Fleisch beruhigt die Erdgeister, die sich durch das Eindringen Reisender in ihren Bereich gestört fühlen könnten. Traditionellerweise umrundet der Reisende den Ovoo drei Mal im Uhrzeigersinn und legt zum Schluss noch einen Stein darauf. Eilige Fahrer begnügen sich heutzutage manchmal damit, beim Vorbeifahren (links vom Ovoo) einfach drei Mal zu hupen“, erklärt Sigi Braun.

Natur als Herausforderung

Die Mongolei war für den gebürtigen Hopferauer eine große Herausforderung. „Wenn wir mit den russischen Jeeps in der Früh wegfahren wollten, haben wir erst einmal eine Gaslampe unter die Ölwanne gestellt, damit der Motor anspringt. Ohne wäre es nicht möglich gewesen“. Straßen in dem Sinne gibt es in der Gegend kaum. Sigi Braun drückt es so aus: „90 Kilometer auf mongolischen Straßen sind wie bei uns 1.200 Kilometer an einem Stück zu fahren“. Hier leben die Menschen noch nach der Tradition und mit der Umwelt zusammen. Aus Spaß wird nichts getötet oder kaputt gemacht. „Anfangs meinte ich die vier Wochen nicht durchstehen zu können. Man kann sich nur spärlich waschen, das Essen ist ganz anders und die Kälte zermürbt“, blickt der Kameramann zurück. Doch die vier Wochen gehören mittlerweile zu den beeindruckendsten die er je erlebt hat. Immerhin gehört er zu den zehn Menschen auf der Welt, die einen Schneeleoparden gesehen und gefilmt haben. Denn einen Schneeleoparden zu besenden ist nicht ungefährlich. „Man muss eine Falle legen. Wenn man Glück hat und er in die Falle tritt, dann wird er mit einem Narkosemittel betäubt. Bevor man ihn dann untersuchen kann muss der Schneeleopard zuerst in einem Schlafsack und mit einer Wärmflasche eingepackt werden, damit er nicht erfriert“, so Braun. Ob er wieder in die Mongolei reisen würde? „Ja, es ist ein faszinierendes Land und wenn man weiß, wie man sich verhalten muss, dann ist es sogar angenehm“.

Der Film soll am 1. November im Bayerischen Fernsehen in „Welt der Tiere“ ausgestrahlt werden. „Wels – das Ungeheuer im Badesee“ ist am 8.  Oktober im Tannheimer Tal während den Filmtagen zu sehen.

Text: rie · Bilder: oh

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