Menschen

Ein Fest mal anders oder ein Fest erst recht mal anders

Matthias Stroeher und „seine“ Senioren

Füssen.    Man kennt sie, diese „berüchtigten“ Seniorenfeste, zu denen Enkelkinder und Familien zu Besuch kommen, um mit dem Opa, der Oma, dem Vater oder der Mutter bei Kaffee und Kuchen den Nachmittag zu verbringen. Muss-Feste, die zur Pflicht gehören. Etwas, das man organisieren sollte oder muss. Manches mal sogar lieber vermeiden möchte. Zugeben? Nein, zugeben will man das nicht. Es ist nicht moralisch vertretbar. Die Angst vor einem Seniorenheim, früher hießen sie noch Altenheime, ist groß. 

Schlechte Luft, schlürfende Schritte, Augen, die einen beobachten, leere, oft hilflose Gesichter, das und noch viel mehr trägt dazu bei, die Barriere zwischen Seniorenheim und der Welt draußen zunehmend größer werden zu lassen. Der Raum „Seniorenheim“ ist kein Lebensraum. Für viele hier wohnhaften alten Menschen und deren Besucher ist es die letzte Station eines Lebens. Danach gibt es nichts mehr, außer dem Tod und vielleicht dem Glauben an ein jenseitiges Leben. Gerade deswegen trägt jeder die Pflicht in sich, diesen vermeintlich letzten Lebensabschnitt lebenswert zu gestalten. So jedenfalls auch die Meinung von Matthias Stroeher, Leiter des Heilig-Geist-Bürgerspitals und des Seniorenheims St. Michael in Füssen.

Neue Wege

Stroeher geht dabei neue Wege, um den Menschen die Schwellenangst vor einem Seniorenheim zu nehmen. „Es ist sehr wichtig, dass hier ein Dialog entsteht“, ist sich der Leiter sicher. Wie? „Wir möchten unsere Häuser nach außen hin attraktiver gestalten. Das bedeutet nicht nur bauliche Komponenten zu ändern, sondern vielmehr das, was bei uns hier passiert, nach außen zu tragen. Die Menschen müssen neugierig gemacht werden.“ „Zeitlos“ heißt die kommende Veranstaltung am Sonntag, 16. Oktober im St. Michael. Kein ungewöhnlicher Name für eine Veranstaltung, wenn man weiß, was Matthias Stroeher damit bezwecken möchte. „Unsere Senioren  haben viel Zeit, ihre Besucher eigentlich weniger. An diesem Tag soll die Zeit los gelassen werden, einfach nur zeitlos genießen und erleben. Das tut uns allen gut und insbesondere unseren Senioren.“

Zeitlos

Am 16. Oktober ist ab 11 Uhr ein kunterbuntes Fest mit Speisen aus der ganzen Welt, Musik, Tanz und eine Modenschau von Wilma Rösch geplant. Sie war es auch, die sich für diese „Location“ entschied. Ungewöhnliche Schnitte, Farben und Muster, die ebenso ungewöhnlich sind wie ein Seniorenheim als Ort für eine Modenschau. „Sicherlich werden sich die Meinungen da teilen. Aber warum soll man immer nur stur konservativ voran gehen?“ Für Matthias Stroeher ist diese Frage nicht schwer zu beantworten. „In der Alterszeit wird viel reflektiert, weil die Zeit dafür da ist. Man fragt sich, warum man dies oder jenes sein Leben lang nicht gemacht hat. Man findet es schade, dass man sich vielleicht nicht getraut oder sich nicht die Zeit dazu genommen hat. Wenn man dann in einem Seniorenheim lebt, sollten Alter oder Scham am besten keine Rolle mehr spielen und die eigene Biographie genau ausgelotet werden. Warum also nicht Salsa oder Trommeln lernen, statt Walzer und Küchenschürze? Weg vom Gewohnten, hin zur Erfüllung unerfüllter Lebenswünsche. Das halte ich für wichtig – ein Weg zu Glück im Alter.“
Die Heimbewohner sind Matthias Stroeher für seine Offenheit dankbar. Sie fühlen sich wohl.

Programmpunkte

Travelartist und Designerin Wilma Rösch zeigt zu ihrer Modekollektion eine Performance. Mit dabei sind Max Eichhorn, Ellen Benson an Klavier und Percussion, Alberto Cirilo mit seiner Dancecompany,  die Sopranistin Britta Stroeher, und vieles mehr. Kulinarisch geht die Reise durch Thailand, Spanien, Türkei, Griechenland, Deutschland, Brasilien … bis hin zum Kuchenbuffet. Eine zeitlose Gaumenreise, mit sehr viel Zeit und Raum für gemeinsame Stunden.
Text · Bilder: rie

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