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Die heißeste Zeit einer Frau

Wechseljahre – nichts bewegt sie stärker

Füssen.   Keine Frau wacht morgens auf und weiß: Heute beginnen die Wechseljahre. Nein, sie spürt viele allmähliche Veränderungen – und das schon sieben Jahre vor der Menopause. Es beginnt der Um- und Aufbruch. Für viele Frauen ist das mit Ängsten verbunden. Sie haben Angst, ihre Fraulichkeit zu verlieren. In den Niederlanden gibt es seit etwa sieben Jahren Wechseljahre-Beraterinnen. Ein Ausbildungsberuf, der hoch angesehen ist. Das sind Frauen, die Frauen durch die Wechseljahre begleiten, ihnen zuhören, neue Wege zeigen und ihnen vor allem die Angst vor der neuen Situation nehmen. Oft gehen die Partner mit, weil sie wissen wollen, warum ihre Frau jetzt manchmal launisch oder „zickig“ ist.

Claudia von Bochmann (Bild) ist die erste Wechseljahre-Beraterin im Allgäu. Eine Herausforderung, die sie sehr gerne annimmt, denn Frauen liegen ihr am Herzen und dieser neue Lebensabschnitt sowieso. „Die Wechseljahre bedeuten nicht das Aus. Im Gegenteil: In diesem Lebensabschnitt versuchen wir vieles aufzuarbeiten, neues zu beginnen. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir krank. Wenn etwas unterdrückt wird, dann bricht es irgendwann extremer aus“, erklärt Claudia von Bochmann. Jahrelang hat sie in einer gynäkologischen Praxis gearbeitet und erlebt, wie selbst von Frauen das Thema Wechseljahre negativ gesehen wird.  „Leider sind die meisten Frauen noch unaufgeklärt. Wechseljahre bedeuten für sie Schlafstörungen, Hitzewallungen, Depressionen, Gewichtszunahme und schlechte Laune. Kein Wunder also, dass das Thema lieber weit weg geschoben wird. Oft erkennt man die Symptome nicht. Trockene Haut, Gliederschmerzen, Stimmungsschwankungen, Probleme mit der Sexualität und mehr, das alles sind Begleiterscheinungen. Also Wegweiser, die sich nicht unbedingt negativ entwickeln müssen. Sie zeigen uns lediglich, dass viele Frauen etwas tun müssen, um nicht in eine Krise zu geraten“, so Claudia von Bochmann.

Text · Bild: rie

Interview

Füssen aktuell sprach mit Claudia von Bochmann über ihren Beruf und was Frauen in der Wechseljahre-Beratung erwartet.

Wozu brauchen wir Wechseljahre-Beraterinnen, wo Frauen heute doch in allem so gut informiert sind und gewohnt, sich selbst zu helfen? Genau das ist es. Wir wollen vieles alleine machen, weil wir das gewohnt sind. Beruf, Kinder, Haushalt, da wird frau doch auch das alleine meistern können. Der Prozess, der in unserem Körper stattfindet, ist enorm. Es ist ein Umbruch. Die Frauen arbeiten in dieser Zeit, die durchaus zehn Jahre dauern kann, alles auf. Was ist schief gegangen, habe ich etwas verpasst, bin ich noch attraktiv, welche Ziele und Wünsche habe ich? Eine rechtzeitige Beratung hilft, nicht in ein tiefes Loch zu fallen, allerdings muss man auch selbst etwas dafür tun.

Woher wissen Sie, wie Sie die Beratung ansetzen müssen? Ich schicke vorher den Frauen einen Fragebogen, den sie ausgefüllt an mich zurücksenden. So kann ich mich dann ganz individuell um ihre Probleme kümmern.

Wie sieht eine Beratung bei Ihnen üblicherweise aus?
Ich sehe meine Arbeit darin, die Frauen zu unterstützen in dem, was sie tun und welchen neuen Weg sie einschlagen wollen. Die meisten Frauen haben schon ein Konzept, sie trauen sich nur nicht oder haben niemanden, der sie darin unterstützt. Die Wechseljahre sind etwas Gutes, auch wenn sich das in manchen Ohren absurd anhört. Tatsächlich haben Frauen jetzt die Möglichkeit, sich um sich selbst zu kümmern, das Leben neu zu überdenken. Es kommt sicherlich auch manches hoch, das viel Kraft und Gedanken kostet. Aber wir setzen uns damit auseinander und das ist gut. Ich maße mir nicht an, alle psychischen Probleme aufzuarbeiten, sollten diese schwerwiegender sein, ist es besser einen Psychotherapeuten zurate zu ziehen. Da bin ich auch so offen und sage es den Frauen. Wichtig ist auch, dass die Frauen die Bereitschaft haben etwas an sich zu ändern und mit mir darüber zu reden, dann können wir auch gemeinsam arbeiten.

Sind die Wechseljahre bei jeder Frau gleich? Oh nein. Jede Frau ist anders. Es trifft nicht jede gleich verschärft. Man sagt, dass ein Drittel gar nichts mitbekommt. Das sind Frauen, die sportlich aktiv und in Familie und Job gefestigt sind. Dann das mittlere Drittel mit nur leichten Beschwerden, die keiner ärztlichen Behandlung bedürfen und das weitere Drittel, das es heftig erwischt, die dann auch mit Hormonen behandelt werden müssen. Man darf die Hormone nicht verteufeln, aber man sollte auch nach Alternativen suchen.

Gibt es denn Alternativen? Natürlich. Ernährungsumstellung, Sport, Lebensgewohnheiten ändern und Homöopathie…


 

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