Menschen

Man muss sich selber treu bleiben

Eine Geschäftsfrau mit Format

Füssen.    Noch vor einigen Jahren hätte sich Ursula Mendler nicht vorstellen können, die Leitung des BMW-Autohauses Mendler zu übernehmen. „Ich war mir nicht sicher, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin“, erwidert sie heute lächelnd. Bedenken, die grundlos waren. Schließlich hatte sie 26 Jahre lang in ihren Mann‚ Otto Mendler, einen guten Lehrer, der ihr alles über das Autogeschäft beibrachte bevor er aus der Firma ausschied. Heute ist das Autohaus Mendler ein Teil einer Gruppe, die aus fünf Betrieben besteht: Widmann und Winterholler in Dachau, Fürstenfeldbruck und Karlsfeld (MINI-Betrieb) sowie das Autohaus Merkhoffer in Herrsching. „Im Team sind wir stärker“, so die Geschäftsfrau.

Teamfähigkeit ist eine große Stärke von Ursula Mendler. Sie weiß zu relativieren, Sachen auf sich beruhen zu lassen, die unwichtig sind. Letztendlich zählt das Ergebnis und das sollte für alle gut sein. Positiv voran, das war immer schon ihr Lebensmotto, denn Optimismus hat noch Niemanden geschadet. Seit 26 Jahren ist die gebürtige Füssenerin mit Otto Mendler verheiratet. Es sind Jahre des Glücks, der Zufriedenheit, des Respekts, wie sie liebevoll sagt. Sie gehört wahrscheinlich zu den wenigen Frauen, die gerne den Arbeitsplatz mit ihrem Mann teilten. „Ich hatte noch nie ein Problem damit – im Gegenteil. Es baut sich sehr viel Vertrauen und Verständnis auf. Wenn man 24 Stunden zusammen ist, dann muss die Kommunikation stimmen und die passte bei uns immer.“ Ursula Mendlers Augen leuchten, wenn sie über ihren Mann spricht. Es schwingt eine Sinnlichkeit, eine Vertrautheit in ihrer Stimme mit, so dass man sich einfach fragen muss, ob es denn möglich ist nach 26 Ehejahren in den gleichen Mann verliebt zu sein.

„Aber ja, warum sollte es nicht so sein. Die Quintessenz einer Beziehung ist die Aufmerksamkeit, kleine liebevolle Gesten, Vertrauen und die Achtung die man sich entgegenbringen sollte. Eine Beziehung muss man pflegen.“ Obwohl zwischen den Eheleuten ein Altersunterschied von 17 Jahren ist, war das noch nie ein Problem. „Mein Mann hat mir viel beigebracht, etwa die Liebe zum Sport. Sport gehört zu unserem Alltag dazu.“ Damit meint Ursula Mendler nicht nur das Mountainbiken, sondern auch die vielen Skitouren und Langläufe, die sie in all den Jahren bestritten haben. Ob Finnland, Italien, Schweden, Norwegen, überall wo es Volksskilanglauf gab, waren sie dabei. Allerdings nicht um zu gewinnen, sondern um den Spaß, den man gemeinsam hat, zu erleben. Heute ist alles ein wenig ruhiger geworden, aber nicht uninteressanter. Kultur und Natur halten sich immer noch die Waage. Dann stehen die Salzburger Festwochen auf dem Kulturprogramm oder schöne Tage im Engadin.

Ursula Mendler ist eine erfolgreiche Frau. Ellenbogenmentalität oder auch „mit dem Kopf durch die Wand gehen“ war für die 60-jährige noch nie ein Thema. „Man muss sich selber treu bleiben und wissen, was man erreichen will.“ Mit ihrer ruhigen Art und ihrem Wissen hat sie das erreicht, wovon viele Frauen in einer Männerdomäne träumen: Nämlich von gleichberechtigter Anerkennung. Frau und Geschäftsfrau sein ist schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Zumindest nicht im Leben von Ursula Mendler. „Man kann beides wunderbar vereinbaren“, so ihre Meinung dazu. Machtkämpfe im Berufsleben oder gar zu Hause gab es im Hause Mendler nie. „Jeder von uns macht das, was er am besten kann oder wofür er Zeit hat. Dann gelingt auch alles“, ist sie überzeugt. Ist das Emanzipation? „Ich würde sagen, ja. Denn eine intelligente Frau muss sich nichts beweisen, wenn sie weiß, was sie kann und was sie will.“

Text/Bild: rie

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