Menschen

Ein guter Zuhörer

Dr. Peter Schwarz

Füssen.    Er ist ein Teamplayer, ein sportbegeisterter Mensch, der Oberflächlichkeit meidet und  Hintergründe wissen möchte, einer, dem seine Mitmenschen nicht egal sind. Dr. Peter Schwarz ist Oberarzt im Krankenhaus Füssen. Von seinen Patienten wird er „Zuckerdoktor“ genannt. Denn seit zehn Jahren ist der Internist auch auf Diabetes spezialisiert. Hinter seiner ruhigen und distanzierten Art kann man gar nicht erahnen, welche musikalischen Fähigkeiten und humoristischen Qualitäten der bald 60-Jährige hat. In einer netten Runde und mit guten Freunden kann es dann passieren, dass er die „Reeperbahn“ von Hans Albers singt oder die Gitarre zur Hand nimmt und „Über den Wolken“ spielt.   

Geselligkeit ist für den Oberarzt kein Fremdwort. Schon als Kind liebte er die Abende zu Hause, wo sie zu elft am Tisch saßen, Spiele spielten und sich Geschichten erzählten. „Bei uns war immer viel Leben. Jeder wusste etwas zu erzählen. Es war ein bisschen wie bei den Waltons“, erinnert sich der 59-jährige. Peter Schwarz war das neunte Kind, ein willkommener Nachzügler der Schongauer Familie Schwarz. Weil er so dünn und drahtig war, wurde er „Knochi“ genannt. Ein Spitzname, den seine Klassenkameraden auch heute noch bei Klassentreffen verwenden. Ein echter Rocker oder Aufreißer war Peter Schwarz nie. „Ich war eher zurückhaltend, schüchtern, manchmal fast zu brav“, erzählt er. Lediglich der Jüngste und der Älteste der Familie Schwarz bekamen die Möglichkeit zu studieren. So wie sein Bruder auch, studierte er zunächst Tiermedizin, bis er einige Zeit später die Humanmedizin als viel spannender empfand. Auf die Lehrer des Gymansiums in Schongau war Dr. Peter Schwarz nicht gut zu sprechen. „Anstatt die Schüler zu motivieren, raubten sie einem das letzte Selbstvertrauen, das man noch besaß. Man dachte, man ist zu doof zum Studieren.“ Sein Medizinexamen bestand der Schongauer mit 1,0.

Ein neues Lebensgefühl
Wenn man in ein bestimmtes Schema verfällt, dann ist es schwierig, sich von den eingefahrenen Denkweisen und Gewohnheiten zu trennen. „Vielleicht ist das typisch deutsch, dass wir immer alles vorplanen wollen. Wir machen uns Gedanken, was andere sagen könnten und denken eigentlich zu wenig an dass was wichtig ist“, so Dr. Peter Schwarz. Der Oberarzt lebte auch nach diesem Prinzip, dass der Kopf steuert und nicht das Bauchgefühl. Heute sieht er vieles gelassener und auch intensiver. „Ich genieße Kleinigkeiten, für die ich früher keine Zeit oder den Blick nicht hatte. Als ich 28 war, machte ich mir Sorgen um die Rente. Heute freue ich mich auf die Spaziergänge, Bergwandern und all diesen, schönen Sachen, die man materiell nicht aufwiegen und schon gar nicht kaufen kann.“ Ansprüche finanzieller Art stellt der Arzt schon lange nicht mehr. „Durch die wenige Freizeit, die ich habe, will ich sie auch genießen und spüren.“ Trotz allem würde er seinen Beruf mit niemandem tauschen wollen. „Es ist ein Beruf, der mich ausfüllt. Es kostet zwar manchmal viel Kraft, aber man bekommt auch viel zurück.“ Bei seinen Patienten gilt er als ein guter Zuhörer. Er will begreifen und helfen können. „Ich bin kein Psychotherapeut, aber die Psychoanalyse fasziniert mich sehr. Es ist interessant, wie Körper und Geist zusammenhängen und was daraus resultieren kann.“

Sport und Genuss
Sich bewegen, aus sich herausgehen, seine Grenzen erfahren, das war und ist für Dr. Peter Schwarz immer schon wichtig gewesen. „Ich war als Kind immer schon sportfanatisch. Ich habe aktiv Fußball und Eishockey gespielt, Basketball, Handball, Tischtennis und Tennis.“ 25 Jahre lang spielte der sportbegeisterte Arzt Turniertennis. Als er wegen einer Schulterverletzung kein Eishockey mehr spielen konnte, widmete er sich dem Ausdauersport, er, der Mann mit dem südländischen Lebensgefühl, den Natur und Menschen so faszinieren. „Beim Laufen kann man sich so gut entspannen, es ist wie meditieren.“ Jetzt will er wieder mehr Sport machen, nicht so fanatisch wie früher, sondern aus Freude und Spaß.

• Lieblingsessen: Pfeffersteak mit Pommes.
• Stärke: Ruhe und Gelassenheit auch in Stresssituationen
• Schwäche: Ich kann nicht Nein sagen.
• Vorbild: Ghandi, weil er für seine Überzeugung stand und lebte.
• Was mögen Sie nicht? Wenn man Probleme nicht in Ruhe ausdiskutieren kann; Streit.
• Würden Sie woanders leben wollen? Ich könnte mir vorstellen in Südtirol oder Österreich zu leben.
• Was ist für Sie im Leben wichtig? Familie, Gesundheit und Lebensfreude.
• Lebensmotto: Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König.
 

Text: rie/Bild: msc

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