Menschen

Jeder Mensch braucht Respekt

Beatriz Pineda Sanchez: Bildung ist wichtig

Füssen.    An der Rezeption von  Beatriz Pineda Sanchez trifft sich die ganze Welt. Manchmal geht es sehr lebhaft zu. Dann hört man italienische, spanische oder auch norwegische Wortfetzen. Für die junge Frau aus Spanien ist das normal. Sie liebt den Umgang mit Menschen, die Sprachen und die verschiedenen Kulturen. Eigentlich wollte sie auf einem großen Kreuzfahrtschiff arbeiten, aber dank eines Stipendiums hat sie sich für Deutschland entschieden. Ein Land, das in Spanien eher als kühl und langweilig angesehen wird. Nun ja, ganz so schlimm ist es nicht, meint  Beatriz Pineda Sanchez, die sich an die deutsche Kultur und vor allem das Wetter im Allgäu gewöhnt hat. Freunde hat die 24-jährige schon viele gefunden. „Das bringt wahrscheinlich meine Arbeit mit sich, denn schüchtern darf man an der Rezeption nicht sein“, erklärt sie.

Zu Hause in Talavera, einer Stadt in Toledo, besitzen ihre Eltern eine Wurstwarenfabrik. Schon als Kind lernte sie, wie wichtig Familie und Zusammenhalt ist. „Meine Familie ist für mich das perfekte Beispiel, wie eine Partnerschaft funktioniert und was eine Familie bedeutet“, erzählt die Spanierin. Ihr Bruder Adrian ist in das elterliche Geschäft eingestiegen. „Er macht das gut“, sagt sie stolz. Alle zwei bis drei Monate hat sie Sehnsucht nach Familie und Heimatland. Dann packt sie für ein paar Tage ihre Sachen und fährt zu ihren Eltern. „Mein Dorf hat etwa 3.000 Einwohner. Dort leben viele Zigeuner. Manche meinen, dass sie gefährlich sind, aber das ist nicht so. Ein guter Freund meines Bruders ist Zigeuner. Wir sind mit ihnen aufgewachsen. Wenn man freundlich und nett zu ihnen ist, dann sind sie das auch. Dann beschützen sie einen sogar. Und wenn sie täglich zur Merandaras kommen, bekommen sie eine Brotzeit vorgesetzt. Dann singen und tanzen sie. Sie singen wirklich außerordentlich schön“, schwärmt sie. Den Respekt vor anderen Menschen überträgt die junge Frau auch in ihr Berufsleben. Ihre Gastfreundlichkeit und die aufrichtige Aufmerksamkeit gegenüber jedem sind für Beatriz Pineda Sanchez ein wichtiges Kriterium im Service. „Viele Menschen haben heutzutage nicht mehr das Geld, mehrere Male im Jahr Urlaub zu machen. Deswegen wollen sie jeden Tag genießen, was ja auch selbstverständlich ist. Und dazu möchte ich einfach etwas beitragen. Die Gäste freuen sich über jede freundliche Geste“, weiß sie aus Erfahrung.

Viel Freizeit hat die Marketingfachfrau nicht. Je nach dem, wie sie Dienst hat, lernt sie für ihr Studium. Ihren Master hat sie bereits in der Tasche. Jetzt bildet sie sich weiter. Nicht weil sie muss, sondern weil sie es will. „Mein Vater sagt immer: ‚Mach was Du willst, wenn Du es auch wirklich willst, weil dann macht man es auch zu hundert Prozent‘.“ Für Beatriz Pineda Sanchez ist es wichtig, dass eine Frau selbständig ist. Wenn man sie nach Emanzipation fragt, dann antwortet sie ganz konkret: „Für mich persönlich bedeutet Emanzipation, unabhängig zu sein und trotzdem Frau und Mutter zu bleiben. Es ist doch egal, wer zu Hause kocht oder bügelt. Frauen, die einfach den Männern nacheifern wollen, sind meiner Meinung nach eher nicht selbstbewusst genug. Irgendwie müssen sie ja die Unsicherheit kaschieren.“

Soziales Engagement
Drei Jahre lang betreute Beatriz Pineda Sanchez im Sommer, Problemkinder. Es waren Kinder aus sozial schwachen Familien. Kinder, die nicht lesen oder schreiben konnten oder bereits auf der Straße lebten. Für die Studentin, die selbst eine gute Kindheit hatte, ist es eine Selbstverständlichkeit, sich sozial zu engagieren und dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Sobald sie ihre letzten Prüfungen 2011 absolviert hat, will sie nach Panama. Dort lebt der Pfarrer aus ihrem Dorf und bringt Kindern Lesen und Schreiben bei. Drei Monate will sie mit der Organisation Mano-a-Mano, was in deutscher Sprache „Hand in Hand“ bedeutet, den Pfarrer unterstützen. Später irgendwann, will sie dann im Fachbereich Marketing promovieren. Doch das hat noch etwas Zeit.

Text/Bild: rie

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