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Traditionelles Weihnachten mit japanischem Charme

Willkommen bei der Familie Hofer

In ihrem Heimatland wird Weihnachten wie eine Party gefeiert, man schenkt sich kleine Geschenke, isst Kuchen und trinkt Sekt. „Merry Christmas“ ist hipp in dem Land der aufgehenden Sonne. Das Land voller Widersprüche. In keinem anderen Land gibt es ein derart ausgeprägtes Nebeneinander von Hightech und Tradition, rituellen Bräuchen und neuen Ideen aus dem Westen wie in Japan. Wer einmal aus dem Sog der Schnelllebigkeit ausbricht, braucht wieder Tage, um sich an den Geräuschpegel, die vielen Menschen und die Hektik zu gewöhnen. Yoko Hofer hat diesen Gewöhnungsprozess jedes Jahr aufs Neue. Einmal im Jahr fährt sie für einpaar Wochen mit ihrer Familie nach Japan. Das sind ihre vier Kinder Alfred, Martin, Diana und Leonhard sowie ihr Mann Achim Hofer. In Japan ist sie mit ihrer Familie eine Exotin, wenn man bedenkt, dass eine Frau in Japan laut Statistik 1,2 Kinder hat.

Yoko Hofer ist 41 Jahre alt und lehrte früher an verschiedenen Universitäten in Japan englische Literatur. Seit 1997 ist die Japanerin aus Tokio in Füssen. „Füssen ist sehr schön besonders mit Kindern. In Tokio ist das ganz anders“, meint sie. „Wenn ich in Japan bin, kriege ich in der ersten Woche einen Schock, in der zweiten Woche geht es etwas besser und in der dritten Woche  habe ich mich bereits an die Hektik gewöhnt. In Japan ist eben alles etwas schneller. Man läuft schneller, der Service ist schneller und man denkt schneller“, klärt Yoko Hofer auf. Mit Achim Hofer, dem Füssener Geigenbaumeister, ist die Japanerin seit neun Jahren verheiratet. Kulturprobleme gibt es nicht – auch dann nicht, wenn Weihnachten gefeiert wird. „Zugegeben bei uns zu Hause gibt es nicht das typische Allgäuer Weihnachtsessen, aber sonst feiern wir sehr traditionell – eben Hoferisch“, erzählt die vierfache Mutter lachend. Mit „Hoferisch“ meint sie unter anderem das Schmücken des Weihnachtsbaumes, der übrigens bis zu Maria Lichtmess im Wohnzimmer steht. Plätzchen werden auch gebacken und musiziert wird sowieso. Wenn der Vater Geigenbaumeister ist, dann ist das Musizieren ein Usus, den die Kinder begeistert aufgenommen haben. Außer Alfred, der Cello spielt,  spielen alle Kinder Geige. Selbst der zweijährige Leonhard, der dann stolz sein Instrument auspackt und neben seiner Schwester und den beiden großen Brüdern, sein Bestes gibt. Dass Weihnachten, so wie in anderen Familien auch, oft stressig ist, bestreitet Yoko Hofer nicht. Besonders beim Plätzchen backen, sehen nicht nur die Kinder wie süße Plätzchen aus, sondern auch die Küche gleicht einer Backstube, wo überall Mehl verstreut ist. Und wenn der jüngste der vier Kinder nicht versehentlich eine Soja Flasche ausschüttet, um den Küchenboden damit einzureiben, ist Yoko Hofer sehr ausgeglichen. Kein Wunder bedeutet doch ihr Name „die goldene Mitte“. „Die Namensgebung ist bei uns Japanern sehr wichtig. Es werden viele Aspekte berücksichtigt, die letztendlich zum Namen führen“, erklärt Yoko Hofer kurz.

In der christlich-buddhistischen Familie geht es liberal zu. Alle wichtigen Feiertage werden gefeiert, auch die japanischen. Da gehört unter anderem auch der „Tag des Gruens“ oder auch der Geburtstag des Kaisers dazu. Die Kinder wachsen mit beiden  Kulturen auf. Martin, der älteste, spricht auch japanisch während die anderen drei Kinder japanisch verstehen. „Für die Kinder ist es ganz norma,l beide Kulturen zu verstehen und zu leben. Sie mögen es wenn ihre Großmutter bayerisch kocht. Sie essen aber auch gerne Sushi“, so Yoko Hofer. Dass es auch andere Genießer der kleinen japanischen kulinarischen Kunstwerke gibt, zeigt sich immer am Donnerstag beim Fisch Geiger in der Markthalle. Dann ist nämlich Sushi Tag – frisch zubereitet von Yoko Hofer, die vor einigen Jahren eine eigene Sushi-Bar in Füssen hatte. Was dieses Jahr an Heiligabend und Weihnachten auf dem Tisch der Hofers kommt, weiß Yoko Hofer noch nicht. „Bayerisch wird am 28. Dezember bei meiner Schwiegermutter gegessen. An diesem Tag hat mein Schwiegervater nämlich Geburtstag. Wichtig ist es doch, dass wir ein schönes Fest haben.“ Wie schön, dass Weihnachten keine Grenzen kennt, sondern Kulturen, Geschlechter, Kinder und Erwachsene, Arm und Reich verbindet.

 

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