Menschen

Angekommen… Erste Eindrücke von Stefan Fredlmeier

Als Quasi-Neuling im Allgäu höre ich eine Frage immer wieder: „Haben Sie sich schon gut eingelebt?“ Meine Standardantwort darauf: „Vor allem eingearbeitet. Zum Leben bleibt mir im Moment noch nicht viel Zeit…“ Das Amt des Vorstands von Füssen Tourismus und Marketing ist mit vielen Aufgaben und Erwartungen belegt – und aus der allseits bekannten jüngeren Historie der Einrichtung heraus auch mit reichlich Baustellen. Mein persönlicher Ehrgeiz gebietet es mir, möglichst viele davon recht schnell in den Griff zu bekommen, parallel dazu viele Partner kennen zu lernen und gleichzeitig an dem strategischen Konzept für die touristische Weiterentwicklung Füssens zu arbeiten – nicht einfach. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, sagt man, aber man versucht es trotzdem immer wieder…
Dass sich meine Eindrücke schnell häufen und verdichten, liegt nicht zuletzt in der Natur des Amtes: Als Touristiker verkriecht man sich nicht, sondern muss im positiven Sinn „Hans Dampf in allen Gassen“ sein, präsent, offen, stets ansprechbar. Und Ansprache erhielt ich in den ersten Wochen reichlich in Form von Wünschen, Informationen und gutgemeinten Ratschlägen, was man eher tun und was man besser lassen sollte. Der Tenor von allem: „Schön, dass Sie da sind. Aber es wird schwierig…!“ Meine Frage, warum denn alles so schwierig sei, wurde zumeist damit beantwortet, dass dieser nicht mit jenem könne, viele nur an sich dächten, etliche Diskussionen ganz tief in Sackgassen steckten. Und noch dazu sei die politische Überlagerung vieler Diskussionen eh der Tod jeder pragmatischen Lösung. Eine ganz reizende Gastgeberin beschrieb mir kurz vor meiner Vertragsunterzeichnung die Situation im Tourismus in schillernden Farben als so „schwierig“, dass ich mir die Frage nicht verkneifen konnte: „Sind Sie sicher, dass ich unterzeichnen soll?“ „Ja, unbedingt“, motivierte sie mich dann doch mit fester Überzeugung. So viel zu einer Seite des Eigenbildes in Füssen.
Um die andere Seite der Selbsteinschätzung zu erhalten, muss man dem Füssener – zumindest nach meiner persönlichen ersten Erfahrung – bisweilen etwas auf die Sprünge helfen. „Ja, hier kann man eigentlich schon sehr gut leben…“, erfährt man oft erst im weiteren Gespräch. Die Lebensqualität sei hoch, die Freizeitmöglichkeiten so zahlreich, dass man gelegentlich sogar Stress empfinde, sich für dies oder das andere entscheiden zu müssen. Füssen sei ja eine wirklich nette Stadt, und dann die Berge, Seen und die Schlösser… Und eigentlich wolle man ja an keinem anderen Ort der Welt lieber leben! So hört es ein Touristiker gerne: der Füssener als positiver Botschafter seiner Stadt! Jeder ist so ein Botschafter und hat es damit in der Hand, das Bild Füssens zu prägen. Dies bedeutet nicht, die Augen vor den Problemen zu verschließen. Aber die Möglichkeit, geeignete Wege zu finden, hängt auch von der eigenen Begeisterungsfähigkeit ab, selbst an der Lösung von Problemen mitzuarbeiten. Dieses zupackende und optimistische Grundverständnis formt ein positives Selbstvertrauen und ist die Grundlage für ein gutes Image. Der Gast spürt dies ganz schnell. Positive Eindrücke und Erinnerungen sind ein wichtiges touristisches Kapital, von dem Füssen auch zukünftig abhängen wird.

Meine Lebensgefährtin und ich wollten bewusst ins Allgäu – der Lebensqualität und der beruflichen Perspektiven wegen. Dass es mit Füssen geklappt hat, ist für uns ein großes Glück. Für mich bedeutet dies, nicht nur mit fachlicher Kompetenz, sondern auch mit Herzblut an der Entwicklung der Stadt zu arbeiten. Unter dem Strich soll es möglichst bald und dauerhaft heißen: „Angekommen…“!

Verwandte Artikel

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Nacht der Musik 2024