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Von Charismatikern und Koalitionsoptionen

Thomas Jahn Dr. Thomas Jahn: Anmerkungen zum Wahlkampftheater 2009

Vielen Beteuerungen zum Trotz: Der Wahlkampf 2009 besticht nicht durch Inhalte oder interessante Kandidaten. Wo blieben bislang wichtige Themen, wie etwa die horrende Staatsverschuldung, Inflation, Bankrott des Sozialstaats oder das drohende Ende des nationalen Rechtsstaates durch „Lissabon“?

 

Umfragetief trotz medialer Schützenhilfe
Besorgt um die schlechten SPD-Umfragewerte schalteten sich nun RTL und SPIEGEL ein, um mit einer als „live“ verkauften „Townhall“-Inszenierung SPD-Kandidat Steinmeier auf die Sprünge zu helfen. Der Erfolg bleibt abzuwarten, denn der Bekanntheitsgrad von „Frank-Walter-Wer?“ liegt immer noch deutlich hinter dem zweit platzierten Gaudi-Kanzlerkandidat Horst Schlämmer, einer Kultfigur Hape Kerkelings.
Jamaika-Variante
Bestehen Wahlkämpfe heute nur noch aus Show und Klamauk? Nein, denn es gibt ja noch verschiedene Wahlprogramme, obwohl es scheint, dass die Parteien eifrig voneinander abgeschrieben haben: Die Union will die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen, 30 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien gewinnen und nicht mehr in die Kernenergie einsteigen, womit offenbar ein schwarz-grünes Bündnis vorbereitet werden soll, nötigenfalls erweiterbar um eine FDP-Komponente, denn auch dieses Programm wurde mit „Freibier für alle“ (= liberales Mindesteinkommen), Zerstörung der Familien durch den Vorrang der Staatserziehung und Homo-Adoptionen dem grünen Vorbild angepasst.
Volksrepublik Deutschland?
Zwischen den Wahlprogrammen der SPD und der LINKEN (ehemals: SED) bestehen ohnehin nur marginale Unterschiede: Lafontaines Mindestlohn soll bei acht Euro liegen. Münteferings SPD bietet nur 50 Cent weniger. Sollte der frühere FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg mit seinem beklemmend realistischen Drehbuch einer rot-rot-grünen Machtübernahme also doch recht behalten? Die derzeit noch positiven Umfragewerte der Kanzlerin scheinen dagegen zu sprechen. Persönliche Sympathiewerte kommen aber nicht immer der jeweiligen Partei zugute, wie auch Publikumsliebling zu Guttenberg beweist.

Auf die Kanzlerin kommt es an

Zu groß ist die Enttäuschung vieler Unionsstammwähler über Merkels Regierungszeit, obwohl zu Guttenberg für die Sehnsucht gerade dieser Wähler nach klarem Profil und festen Überzeugungen steht. Am Ende wird es aber auf die Kanzlerin ankommen. Bill Clinton gewann 1992 mit dem richtigen Thema: „It’s the economy, stupid!” Vielleicht verliert die Union 2009 (erneut) wegen der falschen Kandidatin: „It’s the chairwoman, stupid!

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