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Beim Tanzen sind alle gleich Ehrenamt im Jugendhaus

Serkan Celik, Johann Janzen und Erik Portocarrero-Guggemos sind seit eineinhalb Jahren ehrenamtlich im Jugendhaus tätig. Serkan und Erik sind mittlerweile Jugendleiter und finden es toll, mit Kindern und Jugendlichen zusammen zu arbeiten. Als begeisterte Breakdancer bieten die drei jungen Erwachsene immer mittwochs einen Breakdance-Kurs an. Der jüngste Teilnehmer ist sechs Jahre alt und der älteste 18 Jahre. Zwischen zehn und 15 Kinder kommen regelmäßig zu den Proben. Dann wird geübt, getanzt und natürlich auch geredet. Man versteht sich untereinander, egal ob Türke, Russe, Kroate oder Deutscher. Beim Tanzen sind alle gleich. Religion und Nationalität spielen dann keine Rolle mehr.

Es braucht nicht lange, um herauszufinden, warum sich die drei jungen Männer ehrenamtlich im Jugendhaus engagieren. Sie haben selbst viele Erfahrungen gesammelt, aus denen gewissermaßen auch ihre Stärke resultiert. Sie wollen – wie sie hier sagen – den Kindern eine Alternative zu Computern, Drogen und Straße bieten.

Serkan Celik, Türke, 26 Jahre, Werkzeugmechaniker
„Breakdance fordert ein hohes Maß an Disziplin. Man ist ständig am Üben, weil man sich verbessern möchte. Somit bleibt wenig Zeit, um sich Gedanken zu machen, was andere draußen auf der Straße machen. Mich freut es, wenn so viele Kinder an den Proben teilnehmen. Das gibt mir ein gutes und auch beruhigendes Gefühl. Irgendwie bin ich stolz, dass ich den Kids was beibringen kann und sie es auch annehmen. Alle wissen, dass wir berufstätig sind und nur für sie am Mittwoch ins Jugendhaus kommen. Neulich sind Eltern auf mich zugekommen und haben gesagt, dass sie froh sind, dass die Kinder nicht mehr so oft auf der Straße rum hängen. Ich hatte früher meinen Fußballverein, aber der ist mit dem Tanzen nicht zu vergleichen. Ich fühle mich beim Tanzen und der Musik gut, Breakdance ist ein Lebensgefühl und das spüren die Kinder.“

 

Johann Janzen, 28 Jahre, Russe, gelernter Schreiner
„Ich bin seit 1993 in Füssen und komme ursprünglich aus Saratov. Früher war ich öfters im alten Jugendhaus und tanzte Breakdance. Vier Jahre lang setzte ich aus, bis ich merkte, dass mir etwas fehlt. Also fing ich mit dem Tanzen wieder an. Ich will etwas tun und will das auch weiter vermitteln. Die Kinder nehmen es dankbar an. Wir wollen sie motivieren und begeistern. Ich will ihnen vermitteln, dass man arbeiten und Freizeit haben kann. Sie sollen ein Ziel vor den Augen haben und nicht am Bahnhof rumhängen. Früher hat man mich ausgelacht, weil ich tanzte. Die, die mich auslachten, sind im Knast oder nehmen noch immer Drogen. In Schwangau habe ich eine Basketballgruppe, die ich für Jugendliche ab 16 Jahre leite. Wer will, kann ab 21 Uhr mitspielen. Sport lässt es nicht zu faul zu werden. Denn wenn man faul wird, kommt auch die Langeweile und aus Langeweile entsteht viel Dummes.“

Eric Portocarrero-Guggemos, Peru, 28 Jahre, gelernter Schreiner, Vater einer Tochter

„Ich bin seit 1995 in Deutschland. Ursprünglich komme ich aus Peru. In meinem Heimatland sind viele Jugendliche auf der Straße. Auch ich bin anfänglich hier auf der Straße rum gehangen, einfach aus Langeweile. Ich kam mit Leuten zusammen, die mit ihrer Freizeit nichts anfangen konnten. Es kamen Drogen dazu, Anfangs war das alles noch interessant und neu, bis ich eines Tages meinte: Das kann doch nicht alles gewesen sein. Ich sah das Video von den „Flying Steps“ und wollte so Tanzen wie die. Spak, der Leiter, gab uns im alten Jugendhaus einen Raum, wo wir Tanzen konnten. Da lernte ich auch Johann kennen. Mittlerweile gehört Tanzen zu meinem Alltag dazu.   Ich finde es schön, wie die Kinder tanzen, wie schnell sie begreifen. Wie schon Johann sagte, wenn die Kinder üben und sich begeistern lassen, haben sie keine Zeit für irgendwelche Dummheiten und dafür engagiere ich mich sehr gerne.“

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