Menschen

10 Jahre Integrativgruppe im Kindergarten St. Gabriel

Integration von Menschen mit Behinderung sollte selbstverständlich sein

Diese Selbstverständlichkeit zu leben ist (all-)täglicher Inhalt der zwei Integrativen Gruppen des Kindergartens St. Gabriel. Hier kommen 30 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, mit und ohne Behinderung zusammen und gestalten ihren Tag. Manches Kind kann nicht laufen, manches braucht Unterstützung, um eigene Strukturen zu entwickeln. Andere Kinder beginnen mit Gebärden in Sprache zu kommen. Aber alle leben und lernen gemeinsam und unterstützen sich dabei gegenseitig.

 

Vor zehn Jahren wurde die erste integrative Kindergarten-Gruppe im Kindergarten St. Gabriel gegründet. Immer schon nahm der Kindergarten im Westen Füssens, behinderte Kinder auf. „Irgendwann nahmen die Anfragen so überhand, dass wir uns überlegten eine Integrative Gruppe zu eröffnen“, erzählt Barbara Henle, stellvertretende Kindergartenleiterin. Mittlerweile sind es zwei Gruppen. In der ersten Gruppe sind  15 Kinder, davon belegen fünf Kinder einen heilpädagogischen Platz. Letztes Jahr kümmerten sich um diese Gruppe vier Erzieherinnen. „Wie viele Erzieherinnen wir für dieses Jahr vorgesehen haben, können wir noch gar nicht richtig beantworten. Dass hängt von den Eltern ab, in welchem Umfang sie die Kindergartenstunden buchen wollen“, erklärt Barbara Henle. Für die Eltern kostet der heilpädagogische Kindergartenplatz nicht mehr als für die Eltern, die ihre Kinder in einem Regelplatz  betreut wissen. Diese Mehrkosten übernimmt der Landkreis.

„Wir hatten auch mehrfach schwerbehinderte Kinder, die sowohl geistig als auch körperlich behindert waren. Bis jetzt hatten wir allerdings noch nie den Fall, dass wir ein Kind wegen seiner Behinderung ablehnen mussten. Oft sieht man es den Kindern gar nicht an, dass sie eine Behinderung haben“, erläutert die Erzieherin. Welche Kinder den heilpädagogischen Platz bekommen können, ist mit einem Satz definiert: Für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder. Barbara Henle ist froh, dass sie noch eine zweite I-Gruppe haben: „Wir waren schon überbelegt. Die Nachfrage für diese Plätze ist relativ groß.“ Wer keinen Platz für sein Kind bekommt, kann bei der SVE (Schulvorbereitende Einrichtung) in Hopferau nachfragen. Die SVE orientiert sich allerdings nach den Öffnungszeiten der Schule und das bedeutet für manche Eltern viel Organisation.

Wie gehen die Kinder damit um?

Barbara Henle kennt dafür nur ein Wort: unbefangen. „Die Kinder fragen schon mal nach, warum ein Kind Schienen trägt, oder warum es nicht laufen kann“, so Henle. Für die Erzieherin und Mutter zweier Kinder ist es immer wieder faszinierend, wie sich die Kinder untereinander verstehen und sich gegenseitig helfen. „Viele behinderte Kinder haben schöne Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die gesunden Kindern sehr hilfreich sein können. Kinder, die zum Beispiel nicht sprechen können, haben eine besondere Art zu kommunizieren: Sei es mit dem Gesichtsausdruck oder Gesten. Die Kinder lernen, dass, auch wenn man nicht sprechen kann, man sich miteinander prima verständigen kann“.

Wie gut die Kinder miteinander auskommen zeigte sich beim diesjährigen Pfarrfest. Hier machten alle Kinder bei der selbstkreierten Modenschau mit. Applaus für die tollen Kostüme und schöne Darbietung gab es natürlich nicht nur von den Eltern und Großeltern, sondern auch von den vielen Zuschauern. Auch bei dem erlebnispädagogischen Tag haben die Kinder viel Spaß. Hier lernen sie, sich zu trauen und zu vertrauen.

Weitere Informationen
Kindergarten St. Gabriel
Leitung:Sibylle Berktold
Geigenbauerstraße 13
87629 Füssen
Telefon: 0 83 62 - 78 81

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