Fit & WellLeben

Das zwanghafte Bedürfnis nach Zuwendung

Wenn Liebe zur Abhängigkeit

Wenn man von der Selbsthilfegruppe Anonyme Co-Abhängige hört, denkt man unwillkürlich an Menschen, die mit Alkohol- oder Drogen Abhängigen zusammen sind. Doch CoDA ist etwas anderes: Es ist eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, deren gemeinsames Problem die Unfähigkeit ist, gesunde Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten.

Auf der Internetseite beschreibt sich die Selbsthilfegruppe wie folgt: „Co-Abhängigkeit ist eine Beziehungsstörung in dem Sinne, dass wir uns in schädlicher und ungesunder Weise von anderen Menschen abhängig machen. Wir neigen dazu, andere Menschen (Partner, Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen usw.) als einzige Quelle unserer Identität, unseres Wertes und unseres Wohlbefindens zu benutzen. Bei CoDA kommen wir zusammen, um unsere Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander zu teilen in dem Bemühen, in unseren Beziehungen Freiheit und Frieden zu finden, wo es vorher Stress, Zwang, Kontrolle, Anpassung und Streit gegeben hat. Wir wollen diesem unnötigen Leiden ein Ende setzen“.
Ein selbstbewusster Mensch lässt sich nicht demütigen und beschimpfen, geschweige denn schlagen. Ein selbstbewusster Mensch lässt sich nicht ausnützen. Für Claudia war das der Alltag. Ihr Leben bestand darin, ihrem Mann den Rücken frei zu halten in dem sie alles für ihn machte und sich auch alles gefallen ließ. Sie war die Dumme, die Unfähige, die Peinliche, eine die nicht kochen konnte und keine Ahnung von Haushaltsführung hatte, eine, die ihren kleinen Sohn nicht erziehen konnte. „Ich vergötterte meinen Mann. Er ist Arzt. Ich wollte alles perfekt machen. Wenn er nach Hause kam, sollte er sich wohlfühlen“, erzählt die 35jährige. Es machte ihr nichts aus wenn er sie beschimpfte, dass führte sie auf seinen stressigen Job zurück. Sie war sein Ventil. Als er sie das erste Mal schlug, verwechselte sie das mit Liebe. „Mein Mann heulte wie ein kleines Kind. Er entschuldigte sich immer und immer wieder und sagte mir wie sehr er mich liebte und dass er das nie wieder machen werde“. Zwei Monate später schlug er sie wieder. Sie hatte überall blaue Flecken, ihr Gesicht war geschwollen und die Rippenprellung erinnerte sie noch Wochen später an diesen Tag. Die Entschuldigung dieses Mal: Ein Patient ist ihm während der OP gestorben. „Er meinte, dass es besser gewesen wäre, wenn ich gestorben wäre, weil ich nutzlos bin. Ich wäre nicht einmal in der Lage gewesen ein Kind normal zu gebären“. Claudia gab ihm Recht. Schließlich konnte sie aus ihrem Leben nichts vorweisen – sie war ein Nichts. Nach jeder Attacke ihres Mannes  verkroch sie sich immer mehr. Sie hatte Angst sich mit anderen Menschen zu treffen. Erst ihre Mutter und eine gute Freundin halfen ihr aus dieser Dunkelheit heraus. Claudia besucht nun regelmäßig die Selbsthilfegruppe und macht zusätzlich eine Therapie. Sie ist selbstbewusster geworden, sie weiß jetzt, dass ihr Mann der eigentlich Kranke ist und dringend Hilfe braucht. Sie hat sich aus dieser kranken Beziehung gelöst.
Was viele nicht wissen, so ein Mitglied der Gruppe, ist, dass wir irgendwo alle Co-Abhängig sind. „Egal ob in der Arbeit, im Umgang mit Freunden oder in der Beziehung. Wir bürden uns immer viel Arbeit auf für ein bisschen Lob und Anerkennung. Wir machen zig Überstunden, verwöhnen die Kollegen indem wir ihnen Arbeit abnehmen, Kaffee kochen und bei Freunden machen wir es nicht anders. Wir sind Babysitter, Umzugshelfer, seelischer Mülleimer. Wir können nicht Nein sagen, weil wir Angst haben abgelehnt zu werden.“  

Symptome der Co-Abhängigkeit

Einige Beispiele für Eigenschaften und Einstellungen, die uns vertraut sind:
– Ich habe Schwierigkeiten zu  erkennen, was ich fühle.
– ich halte mich für völlig selbstlos und dem Wohl anderer verpflichtet.
– Ich habe Schwierigkeiten, Anerkennung, Lob und Geschenke anzunehmen.
– Ich verleugne meine eigenen Werte, um nicht von anderen abgelehnt zu werden.
– Ich verbleibe zu lange in für mich schädlichen Beziehungen und Situationen.
– Ich bewerte Ansichten und Gefühle anderer höher als meine eigenen aus Angst vorAblehnung und Abwertung.
– Ich muss „gebraucht“ werden, um dadurch meine Lebensberechtigung zu erfahren.

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