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Das Messie-Syndrom: Löcher in der Seele stopfen

Das innere Chaos, das sich nach außen zeigt

„Zu vielen Berichten über uns wird noch ein Foto veröffentlicht. Das Foto bedient dann das Klischee. Ein Wohnzimmer wie ein Saustall. Eine Küche, die im Chaos zu ersticken droht, Berge von Müll schon im Flur. Und genau darauf soll bitte Ihr Magazin verzichten!“ Dieser Bitte eines Mitglieds der Selbsthilfegruppe „Messies“, die sich in Kaufbeuren regelmäßig jeden zweiten Mittwoch im Monat trifft, kommt Füssen aktuell nach. Ebenso fehlt ein Bild des Mitglieds, das ganz offen alle unsere Fragen beantwortet hat. Anstatt des Bildes, dürfen wir die mobile Telefonnummer veröffentlichen: 0160 98 57 35 79. Unter dieser Nummer ist der Kontakt mit der Messie-Selbsthilfegruppe möglich.

Das dem Reporter bei seinem Handyanruf freundlich entgegengebrachte Vertrauen von – nennen wir sie hier – „Christa“, soll durch keine reißerisch aufgemachte Story enttäuscht werden.
Christa hatte sich selbst in München und Augsburg informiert: über Initiativen, die mit einem Problem klar kommen wollen, das mit einer Gefühlswelt zu tun hat, die sich von der „normaler Menschen“ doch stark unterscheidet.
Die heute 65-Jährige gründete 2002  eine eigene Selbsthilfegruppe, deren Zentrum Kaufbeurens Stadtteil Neugablonz und hier das evangelische Gemeindehaus ist. Dass ein Messie sich mit Sachen umgibt, die in  Haushalten von Nachbarn termingerecht erledigt oder regelmäßig entsorgt werden, ist das bekannteste Zeichen für die großen seelischen Notlagen dieser Menschen. Für die betroffenen Personen sind solche Probleme überhaupt nicht lustig. In der Gruppe sind sieben Jahre Erfahrung und viel Sensibilität  vorhanden, um mit den Teilnehmern das Licht im Labyrinth zu erkennen. Mit Zwang werde das Gegenteil erreicht, betont „Christa“. Ein Mitglied ihrer Gruppe erklärt: „Ich gebe meine Zeitschriften nicht zum Altpapier. Denn darin ist doch mein ganzes Wissen, das ich habe.“

Gruppenleiter tagen in Kempten
Christa ist sehr optimistisch, dass eine Veranstaltung nützliche Erkenntnisse für „den Messie“ bringt. Leiter aus Gruppen in Deutschland werden sich in Kempten zum Erfahrungsaustausch an einen Tisch setzen. Sie baut auch auf die fruchtbare Arbeit des Fördervereins Erforschung des Messie-Syndroms, deren Mitglied sie ist.

 

Nach Schätzungen von Selbsthilfegruppen leben rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit „Messie“-Syndrom. Das äußere Chaos ist meist Ausdruck einer psychischen Erkrankung. Sie sammeln Zeitungen, Elektroschrott und Joghurtbecher. Menschen, deren Leben durch das Anhäufen von Dingen bestimmt wird und die in ihrer Wohnung kaum noch Platz zum Leben finden, werden seit Ende der Neunzigerjahre als „Messies“ (abgeleitet vom englischen Wort „mess“ gleich Chaos, Durcheinander) bezeichnet. „Das Chaos ist das Prägnanteste. Inzwischen wurde festgestellt, dass die meisten Betroffenen zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Schätzungsweise 80 Prozent sind Frauen
Zurzeit gibt es bundesweit etwa 120 Selbsthilfegruppen der „Anonymen Messies“.
Literatur-Tipp
Rainer Rehberger:  „Messies – Sucht und Zwang“  Internet: www.femmessies.de

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