Menschen

Kinder mit ihren Familien für das Leben stärken

Heilpädagogische TagesstätteDie Heilpädagogische Tagesstätte hilft

Peter Seider, Monika Heiberger, Daniela Dolinar, Andrea Wörle, Stefan Seitz und Elena Schüppler (von links) sind die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT). In diesem Stil würde die HPT vielleicht von einem privaten Fernsehsender angekündigt. Die Einrichtung des Erziehungs- und Jugendhilfeverbundes Ostallgäu (EJV) in Füssen bewegt sich jedoch mehr im Verborgenen. Das Team um den Diplom-Sozialpädagogen Seitz arbeitet stiller und sicher nachhaltiger als die bekannte Supernanny auf RTL. Selbststeuerung und soziales Verständnis der Kinder individuell stärken: Unter Einbeziehung der gesamten Familie, so könnte man Aufgabe und Anspruch des HPT-Teams kurz und bündig umreißen.

 

Unser Konzept richtet sich an Familien in schwierigen Lebenssituationen, erläutert Stefan Seitz, der die HPT in Füssen leitet. Ein freiwilliges Angebot, das Hilfe und nicht Strafe oder Einschränkung der elterlichen Sorge bedeutet. Familien haben einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfe. Letztendlich entscheidet das Jugendamt als Fachbehörde und Aufwandsträger, welche Einrichtung der Jugendfürsorge Hilfen für Kinder und ihre Familien in schwierigen Lebenssituationen geeignet ist. „Im Rahmen dieses Verfahrens bieten wir gerne unsere Einrichtung als fachkundige Hilfe an“, erläutert Stefan Seitz. Wie insgesamt der EJV Ostallgäu eine kompetente Anlaufstelle für Beratung und Hilfe in allen Fragen der Kinder- und Jugendfürsorge ist (siehe Infokasten).

Individuelle, kompetente und planvolle Hilfe
In den wöchentlichen Teambesprechungen steht jeweils eins der momentan sieben Kinder aus der Region in der HPT-Gruppe im Mittelpunkt, erklärt Andrea Wörle. Was braucht dieses Kind und seine Familie? So heißt dann die Frage und dient als ständige Fortschreibung des ganz individuellen Förder-plans, der für jedes Kind erstellt und verfolgt wird. Daran sind auch Elena Schüppler und EJV-Chef Peter Seider als Psychologen beteiligt. Wie sieht das nun konkret im Zielgruppenalter zwischen sechs und zwölf Jahren aus? Im Mittelpunkt steht ein strukturierter Ablauf. Nach dem Unterricht kommen die Kinder falls nötig mit dem Fahrdienst ins „Haus Löwenzahn“, wie die Heilpädagogische Tagesstätte heißt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgt eine Entspannungsübung und eine Stunde Hausaufgabenbetreuung. Danach bieten die einzelnen Mitarbeiter verschiedene Förderangebote an. Zwei, drei oder manchmal sogar vier Angebote laufen so nebeneinander. Sport, Basteln, Werken, Kochen, Hauswirtschaft, autogenes Training, Förderung von Sozialkompetenz heißen einige Inhalte. Sie haben als Ziel, Talente auszuloten und zu fördern, um die Ich-Kompetenz der Kinder zu stärken. Selbst- und Arbeitsorganisation ist dabei etwas, was die Kinder zusätzlich erfahren und erlernen. Wichtig für den Erfolg der durchschnittlich eineinhalb Jahre, in denen die Kinder an der Maßnahme teilnehmen, ist zudem die monatliche Gruppenkonferenz. Hier besprechen und entscheiden die Kinder miteinander unter Führung des HPT-Teams die Regeln und Aktivitäten der Gruppe.

Die Kooperation der Eltern ist extrem wichtig, um die belastende Situation verbessern zu können, stellt Stefan Seitz als weiteres entscheidendes Merkmal heraus. Eine Familie sei ein System und es gehe nur im Miteinander, weiß er aus Erfahrung und wird von seiner Kollegin Andrea Wörle darin bestätigt: „Wir sind keine Reparatur- werkstatt, in der Kinder abgegeben und repariert werden.“ Zur Vervollständigung ihres Ansatzes bietet die HPT ferner Triple-P-Kurse an. In einem Zeitraum von vier Wochen mit wöchentlich zwei Abendstunden werden bei diesem Elterntraining praxisnahe Lösungsansätze angeboten und ein- geübt. „Nicht theoretisch, sondern gut umsetzbar“, wissen die HPT-Fachleute aus den Rückmeldungen der beteiligten Eltern und aus den regelmäßigen Elterngesprächen und Hausbesuchen. Zwei weitere Bestandteile, die das Gesamtbild dieses ganzheitlichen Ansatzes abrunden.

Hinter dem regionalen EJV Ostallgäu unter Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg verbergen sich Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Ansätzen und Zielgruppen. Die Beratung ist kostenlos. Hilfesuchende benötigen keinen Krankenschein oder Überweisung und Verschwiegenheit ist selbstverständlich garantiert. Den EJV Ostallgäu erreicht man zentral über die Psychologische Beratungsstelle Marktoberdorf unter der Rufnummer 08342/9 81 34. Günstig von Montag bis Freitag, jeweils von 8 bis 12 Uhr oder über die Nebenstelle Füssen, Feistlestrasse 8 (gegenüber Hallenbad) unter 08362/3 84 24. Erreichbar von Montag bis Mittwoch von 13.30 bis 17  Uhr.

 

Text/Bilder: lck

 

 

 

 

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren

Close
Back to top button
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
Close