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Menschen
Pietro Minnelli – Seit 46 Jahren in Füssen PDF E-Mail

„Es sollte nur für kurze Zeit sein“

Füssen.   Es war der 11. April 1965, als Pietro Minnelli nach Füssen kam. Er weiß nicht so genau, ob es ein Mittwoch oder ein Donnerstag war, aber was er wusste war, dass dieser Tag sein ganzes Leben verändern würde. Mit 18 Jahren fiel es ihm schwer, seine Freunde in Sciacca in Sizilien zu verlassen. Es sollte nicht für immer sein, nur für eine kurze Zeit, dann wollte er wieder zurück nach Sizilien, wo es nicht so kalt wird.

Das Wetter gefiel Pietro Minnelli ganz und gar nicht. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt nach Deutschland, nach Füssen, zu kommen. Doch seine Schwester wollte die 37 Stunden Reisezeit nicht alleine verbringen, also überredete sie ihn mitzufahren, damit sie ihren Mann besuchen konnte.

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Dem Toten die letzte Ehre erweisen PDF E-Mail

Keine Arbeit wie jede andere

Füssen.   Viele Menschen haben Angst vor dem Tod und sprechen nicht gerne darüber. Während in den asiatischen und südlichen europäischen Ländern, der Tod zum Leben dazu gehört, gehen wir in Deutschland mit dem Thema sehr zurückhaltend um. Thomas Klaus hat täglich mit dem Leben und dem Tod zu tun. Er ist sozusagen der Letzte, der in Berührung mit den Toten kommt. Seinen Beruf wollen nur die Wenigsten machen. Thomas Klaus ist Bestatter und Friedhofsverwalter.

Mit 12 Jahren hat Thomas Klaus das erste Mal eine Leiche gesehen. „Ich hatte keine Angst und auch keine Berührungsängste. Ich wusste was da passiert, das habe ich alles bei meinem Vater gesehen“, erzählt der 41-Jährige. Thomas Klaus ist in einem Bestattungsunternehmen aufgewachsen, das sein Vater 1977 gegründet hat. Dennoch entschließt er sich, als erstes eine Lehre als KFZ-Mechaniker zu absolvieren, bis er mit 28 Jahren mit in den Betrieb einsteigt. „Viele meinen, man muss ja den Toten nur abholen und in den Sarg legen. So ganz ist das nicht, ein Bestatter hat vieles mehr zu tun. Es ist ein Beruf, den man erst erlernen muss“, sagt er ernst. Viele Mitarbeiter hat er kommen und gehen sehen, „sie kamen mit der Arbeit nicht zurecht. Manche haben sicherlich auch Komplexe deswegen entwickelt,  wenn sie darüber erzählen, was sie beruflich machen. Für Ehefrauen und Freundinnen ist es vielleicht nicht leicht damit umzugehen“, so Klaus.

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„Ich fühle mich hier wohl“ PDF E-Mail

Merhaba Füssen

Füssen.    Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei am 30. Oktober 1961 markierte den Beginn der türkischen Einwanderung nach Deutschland. Die Anwerbeabkommen haben die soziale, kulturelle und politische Realität Deutschlands nachhaltig verändert – viel mehr, als das den damaligen Verantwortlichen bewusst war. Aus „Gastarbeitern“ wurden Einwohner, aus Italienern, Jugoslawen und, Türken millionenfach deutsche Staatsbürger. 

Mit 5.000 anderen Türken ist Yilmaz Erbas im August 1969 nach einer viertägigen Reise im Zug in München angekommen. Sie standen alle auf Gleis 1, bis man sie dann zwei Stockwerke tiefer in einen großen Raum führte. „Der Raum war furchtbar niedrig, wir konnten gerade noch darin stehen. Wir bekamen einen halben Liter Milch, Brot und einen Dreieckskäse zu essen“, erinnert sich der heute  60-Jährige. Dort wurden die Gastarbeiter aus der Türkei dann von den Firmen abgeholt, die ihnen schon vorab einen Arbeitsvertrag in die Türkei schickten. Auch Yilmaz, der zunächst in der Kemptener Maschinenfabrik arbeitete. Zwei Wohnbaracken standen dort für die Neuankömmlinge bereit. „Ich teilte mir das Zimmer mit fünf anderen. Jeder hatte ein Etagenbett für sich“, beschreibt er seine damalige Wohnsituation. Gegenüber war ein Zimmer mit Italienern, auch sie fanden dort ihren ersten Wohnsitz, genauso wie die Jugoslawen und Griechen. Es war eine große internationale Wohngemeinschaft mit 40 Gastarbeitern pro Wohnbaracke, die sich Küche und sanitäre Anlagen teilten. Nach sieben Monaten zog es den damals 18-Jährigen nach Füssen. Gemeinsam mit seinem Vater, der schon ein halbes Jahr vorher in Deutschland ankam, bekamen sie eine Wohnung in der Karlstraße 6. „Es war eine Zwei-Zimmer Wohnung ohne Bad, aber es war unsere Wohnung – und das war schon etwas besonderes“, so Yilmaz. „Gewaschen haben wir uns in der Arbeit, Das war schon Luxus. Die Deutschen wuschen sich auch nicht öfters. Es gab feste Badezeiten und Badetage“, erzählt er lachend.

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Im Gespräch mit Franz Brunner PDF E-Mail

Der moderne Bäcker

Hopferau/Füssen.    Seit fast 80 Jahren gibt es die Bäckerei Brunner in Hopferau. Teigwaren, Kuchen und feines Gebäck prägen nicht nur das Erscheinungsbild der Hopferauer Bäckerei sondern auch viele andere Backbetriebe. Doch die  Marktausgangssituation der Handwerksbetriebe der Gegenwart hat sich im Vergleich zu früher grundlegend verändert. Der Bäcker hat heute ein wesentlich komplexeres Aufgabengebiet als noch vor 50 Jahren. Nicht mehr allein das bloße Ausüben des Handwerks entscheidet über den Geschäftserfolg. Der heutige Bäcker ist auch ein Marketingfachmann, denn er muss sein Sortiment so nah wie möglich am Verbraucher ausrichten. Frühstück Kaffee und Kuchen, Snacks für Zwischendurch, Mittagessen, ... das alles bieten mittlerweile die modernen Bäckereien an. 

Vor zehn Jahren waren Sie einer der Ersten, der Werbung für gesundes Frühstück machte. Ja, weil für mich das Frühstück sehr wichtig ist. Es ist die Hauptmahlzeit des Tages überhaupt. Das wollte ich auch meinen Kunden weitergeben. Ein wesentlicher Bestandteil des Frühstücks sind Backwaren - und wer, wenn nicht der Bäcker kann hier eine Vielfalt bieten. Zudem bieten wir unseren Kunden frisches Obst, Müsli, Joghurt, frische Säfte – eigentlich alles, um den Tag mit einem guten und gesunden Frühstück anzufangen.

Nachhaltigkeit hat für Sie eine große Bedeutung, warum? Weil man nur mit guten Produkten auch etwas gutes kochen oder backen kann. Wir versuchen Produkte aus Bayern  zu bekommen. Natürlich ist es nicht immer möglich – wie zum Beispiel beim exotischen Obst. Das Mehl bekommen wir aus Landshut aus der Rosenmehlmühle. Letztes Jahr, als es soviel regnete, musste die Mühle auf die neuen Bundesländer ausweichen, weil so viel an Ernte ausfiel.

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Rainer Jörg erhält Auszeichnung für sein Restaurant in Füssen PDF E-Mail

Der „Olivenbauer“ aus Wertach

Füssen/Wertach.    Seine eigene Marke aufbauen und pflegen ist nicht so einfach. Das Konzept muss stimmen. Es muss das widerspiegeln, wofür man tatsächlich steht. Ohne die eigene Überzeugung, auch wenn es manchmal nicht so rund läuft, ist das Projekt schon zum Scheitern verurteilt. Wenn man dann noch aus einer anderen Berufssparte kommt, wie Rainer Jörg, dann muss das Projekt noch einmal mehr abgesichert sein.

Doch wie passen Elektronik und Gastronomie zusammen? „Ganz einfach, zumindest ist es so für mich. Ich mag gutes Essen, Gastronomie hat mich immer schon fasziniert. Es ist der Treffpunkt, um gemeinsam zu reden, zu essen, Informationen auszutauschen, um Geschäfte zu machen und wichtige Dinge zu besprechen. Beim Essen läuft alles etwas entspannter ab“, weiß der selbständige Elektrotechniker. Bei Rainer Jörg muss alles „Hand und Fuß“ haben. Es muss stimmig sein, ansonsten lässt er es lieber bleiben.

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Im Gespräch mit Thomas Schultze PDF E-Mail

„Wenn alle am gleichen Strang ziehen kommt man schneller ans Ziel“

Füssen.     Sich von der Masse abheben und durch Kompetenz, freundliche Beratung und Mut zur Kreativität überzeugen, so könnte man den Leitspruch beschreiben, nach dem Optiker-Meister Thomas Schultze über 30 Jahre lang sein Brillenfachgeschäft Luitpoldbrillen in Füssen führte. Nun hat er sich dazu entschlossen, Ende Oktober in den Ruhestand zu gehen und sein Geschäft an einen mit Bedacht ausgewählten Nachfolger zu übergeben. Füssen aktuell hat sich mit ihm über seine Zeit in Füssen und seine Zukunftspläne unterhalten.

Sie haben sich nun, nach über 30 Jahren in Füssen dazu entschlossen, Ende Oktober in den Ruhestand zu gehen. Was ist das für ein Gefühl? Ein gemischtes Gefühl. Zum einen bin ich natürlich ein bisschen traurig, weil es eine schöne Zeit für mich war. Zum anderen ist es für mich aber auch eine große Befreiung. Eine Befreiung aus der Verantwortung, die ich über die 30 Jahre hinweg getragen habe.

Sie kommen ursprünglich aus Münster. Mit knapp 280.000 Einwohnern ist diese Stadt wesentlich größer als Füssen. Was hat Sie damals dazu bewogen, in eine Kleinstadt  zu kommen? Ich bin in Münster aufgewachsen und habe  eine Zeit lang in Berlin gelebt. Das Leben in einer so großen Stadt ist einfach anonym und genau dieser Anonymität wollte ich entfliehen. Füssen habe ich mir ganz bewusst ausgesucht. Eine kleine Stadt, die landschaftlich sehr reizvoll ist.

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Assistenzarzt Dr. Philipp Zimmermann verstärkt das junge Team am Füssener Krankenhaus PDF E-Mail

Füsssen.    Zur fachärztlichen Weiterbildung kam Dr. Philipp Zimmermann im Dezember 2010 direkt von der Medizinischen Universität Graz ans Füssener Krankenhaus. Der 28-jährige Assistenzarzt erklärt im Gespräch vor seinem Nachtdienst in der „Inneren“: „Ich bin kein Österreicher, wollte jedoch unbedingt in Graz studieren. Als Schüler war ich dort kurz zu Besuch und fand die Landeshauptstadt der Steiermark richtig faszinierend. In Deutschland hätte mich die Universitätsstadt Heidelberg gereizt.“ Die Entscheidung für die Großstadt Graz mit etwa 300.000 Einwohnern habe er nie bereut. Inzwischen ist er wieder zurück „in unserem schönen Bayern“ und nicht zuletzt darüber glücklich, dass er bei den Füssener Internisten lernen kann.

Geboren wurde er 1982 in München. Als er noch im Kindergartenalter war, zog die Familie nach Marktoberdorf. „Mein Vater hatte sich als Facharzt mit eigener Praxis niedergelassen“, erklärt Dr. Zimmermann den Ortswechsel von der Landeshauptstadt in die Provinz. „Als Gymnasiast dachte ich überhaupt nicht daran, beruflich einmal in die Fußstapfen meines Vaters zu treten“, erzählt er. „Meine Eltern waren so offen, mir da freie Hand zu lassen.“ Ob man im Kreise der Zimmermanns – die Mutter ist Rechtspflegerin – glücklich über die Pläne des Ältesten von drei Geschwistern war, sei dahin gestellt. Tatsache ist, der Sohn hat sich als Jugendlicher Taschengeld in einer angesagten Disco in Obergünzburg verdient. „Ich wollte Radiomoderator werden. Da machte es durchaus Sinn als Discjockey anzufangen und am Wochenende Platten aufzulegen.“ Gespielt hat er am liebsten Alternative Rock, „also die angesagten Songs von Nirvana oder The Offspring zum Beispiel.“

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„Ich fühle mich im Allgäu richtig wohl“ PDF E-Mail

Zwischen dem Meer und den Bergen

Füssen.   Die einen können ohne die Berge nicht sein, während die Anderen das Gefühl haben, eingeengt zu werden. Boro Martic brauchte lange, bis er sich an die „Riesen“ gewöhnte. Manchmal vermisst er das Meer und die salzige Luft , den Wein, der nur zu Hause in Dalmatien wirklich schmeckt. „Diese Gedanken sind nicht oft, nur ab und zu. Eigentlich fühle ich mich wie ein Allgäuer, der kein Dialekt spricht aber alles versteht“, sagt er ernst. 

Als Jugendlicher ist Boro Martic nach Deutschland gekommen. Seine Ausbildung als Hotelfachmann ließ ihn in den besten Häusern arbeiten. „Das gehört der Vergangenheit an. Natürlich ist es anfangs etwas Besonderes, wenn man in Glace Handschuhen bedient und Prominenten aus Politik und Kultur ständig begegnet. Für das Ego und die Weiterentwicklung ist das sicherlich auch fördernd. Aber irgendwann war mir klar, dass ich nicht nur ein Butler sein wollte. Ich wollte meine Kreativität, mein Wissen einsetzen“, erzählt der 52-jährige. Jetzt sieht er seine Arbeit, meint er und deutet auf „seinen“ Biergarten. Als er zum „“ kam, kannte er seinen Chef bereits als Gast. „Für mich war es eine Herausforderung, das Restaurant in Füssen mitzuplanen und zu gestalten. Ich habe dazu einen ganz anderen Bezug“, meint Boro Martic Als Geschäftsführer trägt er die Verantwortung für 13 Mitarbeiter. „Die Aufgabe macht mir Spaß, wir haben hier lauter nette Kollegen. Für ein gutes Betriebsklima ist das sehr wichtig.“

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Im Gespräch mit Bülent Saritas PDF E-Mail

Ein Spagat zwischen den Kulturen

Füssen.    Ausländer ist nicht gleich Ausländer, zumindest nicht dann, wenn man aus der Türkei kommt und Moslem ist. Die Kulturunterschiede werden als zu groß empfunden und das manchmal von beiden Seiten. Leben zwischen zwei Welten oder vielmehr zwischen zwei Kulturen, das kennen viele Gastarbeiterkinder, die hier in zweiter und dritter Generation leben. In der Schule und im Beruf passt man sich an, um zuhause wieder so zu leben, wie es die Väter, Mütter und Großeltern gewohnt sind. Nicht immer einfach für die jungen Menschen, die einen festen Lebensmittelpunkt brauchen.

Als Bülent Saritas nach Deutschland kam, war er vier Jahre alt. Das war im Oktober 1972. Er lebte mit seiner Familie im „Viertel“ in Füssen – in „Klein-Istanbul“, wo alle aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien ihre neue Bleibe fanden. „Kurze Zeit später sind wir in die Hintere Gasse gezogen, heute denke ich, dass es für uns gut war“, blickt der heute 42-Jährige zurück. Er und seine beiden Geschwister waren quasi Exoten, als sie in den Kindergarten kamen. Sie waren die einzigen türkischen Kinder. „Meine Eltern legten großen Wert darauf, dass wir unsere Kultur nicht vernachlässigen. Gleichzeitig wurden wir gefördert. Es war für sie wichtig, dass wir die deutsche Kultur kennenlernen. Der Religionsunterricht gehörte ebenso dazu. Ethik als Unterrichtsfach gab es zu meiner Zeit noch nicht.“ Als Bülent Saritas seinen Qualifizierten Schulabschluss machte, taten es ihm zwei Buben und zwei Mädchen aus seinem Heimatland gleich. Heute arbeitet er in seinem Beruf als Zerspannungstechniker. Mittlerweile ist er in der Firma, in der er seit 26 Jahren tätig ist, Abteilungsleiter geworden.

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Arbeiten aus Spaß an der Freude PDF E-Mail

Der junggebliebene Koch

Füssen.   Täglich eine Stunde Gymnastik, früh ins Bett und kein Alkohol, dass sind für Karl Vogl die Tipps für ein gesundes und vor allem vitales Alter. Mit 70 Jahren ist der gebürtige Münchener noch voll im Berufsleben. „Nicht weil ich muss, sondern weil ich will“, sagt er bestimmt. Unter seinen Kollegen heißt er nur „Turbo“, ein Name, der ihm durchaus schmeichelt.

Seit 30 Jahren ist Karl Vogl mit einer italienischen Ballett-Tänzerin verheiratet. Er, der Koch, der für Klassik damals noch wenig Interesse zeigte und sie, die feine, grazile Primaballerina, die mit ihrem Tanz die Besucher im Theater verzauberte. Diese Gegensätzlichkeit ließ sie eins werden. Jeder machte das, was er am besten kann: Kochen und Tanzen und damit die Gäste und Besucher erfreuen. Italienisch kann Karl Vogl nicht – „Der Zug ist abgefahren. Früher konnte ich wenigstens ein paar Brocken“, erwidert er.

Seinem Namen Turbo wird er gerecht. Irgendwie hat man das Gefühl, den 70-Jährigen mit den Fragen zu stören, weil „es gibt ja noch so viel zu tun“ und vor allem kann man auch erzählen, während man kocht.

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Lukas Krämmer PDF E-Mail

Der junge Festwirt

Füssen.    Noch ist es kein Ausbildungsberuf, wahrscheinlich deswegen, weil er so vielschichtig ist und weil man nie so richtig auslernt. Für Lukas Krämmer war das kein Hinderungsgrund. Ganz im Gegenteil, er hat sich den Beruf Festwirt bewusst ausgesucht. „Ich finde, dass kein anderer Beruf so vielseitig ist wie dieser“, so der 17-Jährige. Seit diesem Jahr ist er so richtig im Geschäft mit dabei. Zelte auf- und abbauen, an der Schankanlage stehen, im Büro mithelfen und das mindestens zehn Mal im Jahr. Ob ihm so ein Leben gefällt? „Ja klar, außerdem ist das nur im Sommer so“, gibt er zur Antwort.

Seine Oma ist seit 50 Jahren Gastronomin, seit 1978 hat sie den Festzeltbetrieb. Im Umkreis von 200 Kilometern sind die Krämmers von März bis Oktober unterwegs. Auf sie freuen sich die meisten Leute, denn dann ist Feierlaune angesagt und zünftige Musik. Es ist Bierzeltzeit. In Füssen ist die Familie Krämmer seit sechs Jahren Festwirte. 1.200 Menschen passen in das Bierzelt rein. „Wir haben auch eines, in dem 6.000 Besucher Platz hätten“, erzählt Lukas Krämmer. Seinen angehenden Beruf als Festwirt findet der junge Mann gar nicht so ungewöhnlich. Auch dass er tageweise nicht zuhause in Landshut ist, stört den begeisterten Eishockeyspieler gar nicht. „Es gibt ja Facebook und das iPhone“, lächelt er zufrieden. Mit seiner Oma teilt er sich ein Wohnmobil. „Im Grunde genommen brauche ich es nur zum schlafen und zum duschen“, erklärt er selbstbewusst. Sein Bruder Sebastian, Eishockeyspieler bei den „Landshut Cannibals“, kennt dieses Leben. Er hat sich für den Profi-Eishockeysport entschieden. „Ich will noch Betriebswirtschaft studieren. Mal schauen, wie alles kommt“, erzählt er offen. „Lukas hätte auch Profi werden können. Das Potenzial ist da, aber nicht der Ehrgeiz“, sagt der 19-Jährige und stupst seinen Bruder liebevoll von der Seite an. Unterschiedlicher in ihren Berufswünschen könnten die Beiden gar nicht sein – aber das ist gut so, „meine Kinder sollen das machen, was ihnen auch Spaß macht“, klärt Seniorchef Christian Krämmer auf. Als die Kinder noch klein waren, lebten sie bei der „Schloderer-Oma“. „Für uns war das gut, wir sind selbständig erzogen worden und hatten ein gewohntes Umfeld. Und wenn wir die Eltern sehen wollten, fuhren wir mit dem Auto dorthin, das war alles schon so in Ordnung“, blickt Lukas Krämmer zurück. Noch kennt der 17-Jährige die genauen Abläufe nicht: „Ich muss noch einiges lernen, aber das macht auch richtig Spaß. Wenn andere im Winter arbeiten, habe ich frei, wer hat das schon“. Bei den drei Krämmer-Männern scheint alles aus einem großen Spaßtopf zu kommen. „Nicht ganz“, lenkt Sebastian Krämmer ein, „Vater hat eine gewisse Ironie, die leicht in die Satire übergeht. Manche Menschen nehmen dann alles für bare Münze. Dann ist der Spaß bei uns vorprogrammiert“, so Sebastian Krämmer.

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Moment mal... PDF E-Mail

Christopher Bargholz

Christopher Bargholz – Durch Fußball nach Vancouver

Füssen.    Christopher Bargholz ist Fußballer aus Leidenschaft. Mit vier Jahren begann er, sich für diesen Sport zu interessieren. Seine Eltern unterstützten ihn in seinem Interesse und ließen ihn im Buchinger Fußballverein erste Spielerfahrungen sammeln. Als er Zehn war, zogen seine Eltern mit ihm nach Füssen. Schnell lebte er sich hier ein und trat dem lokalen Fußballverein bei.

Mit 13 Jahren wechselte er in die C-Jugend nach Kaufbeuren, im darauffolgenden Jahr ging er in die C-Jugend nach Augsburg und mit 15 Jahren konnte er sich bereits in der Augsburger Regionalliga beweisen. Nach zwei Jahren in Augsburg ging Christopher auf eigenen Wunsch nach Kempten, da ihm angeboten wurde dort die B-Jugend zu überspringen und direkt in der A-Jugend einzusteigen. In Kempten hielt es ihn ein Jahr lang, bis er letztendlich nach Memmingen ging, wo er seit August letzten Jahres in der ersten Mannschaft spielt. „Ich habe immer versucht, in der höchstmöglichen Liga zu spielen“, berichtet der 19-Jährige. „Ich will immer das Bestmögliche erreichen. Das ist der Anspruch an mich selbst.“

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Ein Leben zwischen zwei Welten PDF E-Mail

Dr. Gebhard J. Kiechl – von harter Polizeiarbeit und einer großen Liebe zur Literatur

Pinswang.    23. September 1939 – der Todestag von Siegmund Freud, aber auch der Geburtstag von Gebhard J. Kiechl. Zwei Menschen, die der Psychologie ebenso wie der Literatur zugetan sind. Zunächst wuchs Gebhard J. Kiechl bei seiner Mutter auf, bis er nach deren Tod zu Verwandten kam. Ein stabiles Elternhaus durfte er in seiner Kindheit nicht erleben. Mit Beginn der Schulpflicht wurde der schüchterne Junge auf ein Internat nach Schwaz geschickt. Doch empfand er diesen Umstand nicht als Zwang, sondern als Glück. Hier konnte er seiner früh entstandenen Liebe zur Literatur Raum geben. „Ich war ein introvertiertes Kind, habe alles gelesen, was ich in die Hände bekommen konnte. Das Internat war für mich eine Chance”, blickt er zurück. Er hielt Lesungen in der Mensa und verwaltete ehrenamtlich die Bibliothek. Im Internat lernte der junge Kiechl einen ganz besonderen Menschen kennen: Professor Dr. Franz-Josef Kofler, der sein Mentor und Freund wurde. Mit ihm  besprach er seine geschriebenen Werke und setzte sich mit der Philosophie auseinander. Nach dessen Tod widmete er ihm das Gedicht „Mein Freund ist tot”.

Ein junger Erwachsner

Trotz dem Hang zur Literatur entschied sich der 20-jährige Abiturient zu einem Jurastudium an der Universität Innsbruck. Bereits zu diesem Zeitpunkt plante er eine Familie, welcher er die Sicherheit und Zuneigung geben konnte, die er als Kind nicht erfahren hatte. Sein ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein und die Erlebnisse seiner Kindheit ließen ihn in dieser Aufgabe zu einem liebevollen Ehemann und Familienvater werden.

Erst verdiente er als Lehrer und Erzieher den Unterhalt für die Familie. „Diese Zeit war für mich, was soziale Kontakte, Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Anti-Aggressionsverhalten angeht, sehr lehrreich. In meinem späteren Berufsleben habe ich von dieser Zeit sehr profitiert.“  In seinem Beruf als Kommissar in Wien und Innsbruck und später als Präsidialist für die Organisation bei der Polizei in Inns-bruck, lernte der ruhige Mann die Kehrseite des beruflichen Aufstiegs kennen. 

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Die Leichtigkeit zu leben PDF E-Mail

Veronica Sequeira Krebentitscher

Trauchgau.   Ab und zu hat sie Sehnsucht nach dem Meer, dem Geruch der salzigen Luft, den warmen Sonnenstrahlen. Wenn sie nach Hause fährt, nimmt sie die Küstenstraße um ihr Meer zu sehen, das sie für die Berge im Allgäu eingetauscht hat. Es war die Liebe, die sie nach Trauchgau, einem typischen Allgäuer Ort, ziehen ließ. Veronica Isabel Sequeira Krebentitscher lebt zwei Kulturen und kommt gut damit zurecht. Sie hat die deutsche Pünktlichkeit und die portugiesische Leichtigkeit. 

Deutsch wollte Veronica Sequeira Krebentitscher nicht wirklich lernen. „Obwohl meine Mutter mit meinen beiden Geschwistern und mir deutsch sprach, interessierte mich die Sprache herzlich wenig. Erst viel später, da ging ich bereits in die Tourismusschule, merkte ich, dass meine Muttersprache doch von Vorteil ist“, erzählt sie offen und lacht dabei. Heute ist sie froh, dass ihre Mutter, eine gebürtige Rosenheimerin, hartnäckig blieb und mit ihnen immer Deutsch sprach. Dass sie irgendwann einmal im Land ihrer Vorfahren leben sollte, war für sie damals unvorstellbar. Heute, nach zwölf Jahren im Allgäu, zieht sie Parallelen zu sich, ihrer Mutter und ihrem Großvater. Alle drei verließen der Liebe wegen ihre Heimat. „Mein Großvater, Josef Heringer, war ein Trauchgauer und Zimmermann. Auf der Walz lernte er in Rosenheim seine Frau kennen und blieb dort. Ihre Tochter, meine Mutter, ging in den 60er Jahren als Au-Pair Mädchen nach Portugal und lernte meinen Vater kennen. Sie hatten lange Zeit Briefkontakt, bis meine Mutter erneut mit einer Freundin nach Portugal fuhr. Sie wollten eigentlich nur Urlaub machen. Aus dem Urlaub wurde ein ganzes Leben. Meine Mutter sagt immer, sie habe nichts bereut.“  Veronica Sequeira Krebentitscher lernte ihren Mann mit 17 Jahren kennen. Sie war zu Besuch bei ihren Großcousinen in Buching und sollte dort den Tourismus und die Sprache besser kennenlernen. „Ich weiß noch, wie ich mich dagegen sträubte. Ich wollte nicht ins Allgäu.“ Schließlich gefiel es der heutigen Tourismusfachfrau gut. Ihre Großcousinen nahmen sie überall mit, auch in ein Bierzelt, in dem sie ihren Mann Bernd alias Kotte kennenlernte. Auch sie verband eine jahrelange innige Brieffreundschaft bis sie heirateten.

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Guido Degasperi trifft Anton Falger PDF E-Mail

Elbigenalp.    Er war einer der Großen im Lechtal, Josef Anton Falger (1791 – 1876). Der Gründer der heutigen Schnitzschule war Lithograph, Radierer, Heimatforscher und Wohltäter. Falger starb 1837 kinderlos und vermachte sein gesamtes Vermögen den Armen, Schulen und Kirchen. Sein Haus, das heutige Gasthof Post, vermachte er der Königin Mutter Marie von Bayern, Mutter des legendären Königs Ludwig II. von Bayern.

Wenn es um die Geschichte und das Lechtal geht, ist Guido Desgasperi der richtige Ansprechpartner. Dabei sollte man sich von seinem Äußeren gar nicht beirren lassen. Das rockige Outfit gehört zu ihm wie seine Lechtaler Trachten, die er allesamt besitzt.  In seinem Geierwally Restaurant, seit 35 Jahren eine Mischung aus einem Museum und gutbürgerlicher Stube, erwartet den Besucher eine bodenständige Tiroler Küche. Überall sind Kostbarkeiten aus Anna Stainer-Knittels Zeit. Seit kurzem gibt es auch die Josef Anton Falger Stube. Es ist ein kleines  Museum mit Zeichnungen des Lithographen an den Wänden. Stilvoll begrüßt Degasperi seine Gäste als der große Josef Anton Falger mit Zylinder und Gehrock. „Es lag nahe, dass ich eine Gaststube Josef Anton Falger widme, zumal er der Mäzen der Geierwally war. Er ermöglichte ihr das Zeichenstudium“, erklärt der Gastronom. Den Besuchern erzählt er die Geschichte des berühmten Lechtalers und seine Verbindung zur wohl bekanntesten Lechtalerin, der Geierwally. „Den Gästen gefällt es gut. Ich denke, so kann man Geschichte lebendig vermitteln.“ Dass ein Falger Menü nicht fehlen darf ist fast Selbstverständlich, es ist eine Eigenkreation von Guido Degasperi. Der Lechtaler ist übrigens auch Kulturführer von Elbigenalp. Wer also mehr über die Persönlichkeiten des Lechtals wissen möchte oder sich für eine Kulturführung durch Elbigenalp interessiert, sollte unbedingt eine Führung durch das Schnitzerdorf einplanen.

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Ärzte unter uns PDF E-Mail

Dr. Patrick Loidl, Assistenzarzt in der Inneren Abteilung der Klinik Füssen

Füssen.    Gibt es von der Medizinischen Universität Innsbruck längst eine unsichtbare Brücke zur Klinik nach Füssen? Fast könnte man das vermuten, denn vor Dr. Patrick Loidl sind schon andere Assistenzärzte aus der Tiroler Metropole beruflich am Füssener Krankenhaus gestartet. Junge Ärzte aus Österreich tun den Patienten gut - und der medizinische Nachwuchs findet optimale Bedingungen zur Facharzt Weiterbildung vor. In Füssen fühlte sich der 31-jährige Österreicher von Anfang an wohl. Seine Spezialisierung erfolgt im jungen Team der „Inneren Abteilung“. Dabei hätte er auch die Hände, um Chirurg zu werden. 

Der künftige Internist erklärt: „Chirurgie, das macht meine Frau hier bei Chefarzt Dr. Scriba. Mich interessiert die Innere. Auch hier wird moderne Medizintechnik eingesetzt, aber als Arzt kommt man auf diesem weiten Gebiet nur mit Stethoskop und Reflexhammer auch schon sehr weit.“ Dass sie beide in Füssen arbeiten, war so nicht geplant, wie im Interview deutlich wird. Assistenzärztin Dr. Ana Loidl war 2008 sogar einen Tick schneller, als das Paar nach dem in Innsbruck abgeschlossenen Medizinstudium wie viele andere junge Ärztinnen und Ärzte voller Optimismus auf Stellensuche ging. Es sei nicht so leicht rund um Innsbruck Arbeit zu finden, erklärt der junge Arzt. Kolleginnen und Kollegen wollten ihre fachärztliche Weiterbildung auch in der Stadt machen, wo sie studiert haben. „Als gute Alternative wäre für uns noch Reutte in Frage gekommen. Außerdem haben wir überlegt, dass man es nur ein paar Kilometer weiter vielleicht mit Initiativbewerbungen versuchen könnte. So kamen wir ans Krankenhaus Füssen und stellten uns hier nacheinander vor.“

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„Füssen ist unsere neue Heimat“ PDF E-Mail

Ein Südamerikaner mit Hamburger Wurzeln

Füssen.    Es war 1974. Ein ganz besonderes Jahr. Es war die Fußball-Weltmeisterschaft und Deutschland stand gegen die Niederlande im Finale. Sie gewannen damals 2:1 gegen Holland und wurden Fußball-Weltmeister. Die beiden Kapitäne Johan Cruyff und Franz Beckenbauer haben es Neri Tom Lüttmann angetan, so dass er seinem Sohn den Namen Johann Franz Lüttmann gab. Soweit ist das auch nichts ungewöhnliches, wenn Johann Franz Lüttmann nicht in Guatemala-Stadt geboren worden wäre.

Wenn man nach dem Äußeren geht, müsste Franz Lüttmann Fernando, Xavier oder sonst einen anderen südamerikanischen Namen tragen. Lüttmann passt auch nicht so ganz. Tatsächlich stammen die Vorfahren von Franz Lüttmann aus Hamburg. Sie waren Kirchenmänner und Kaufleute. Heute, nach einigen Generationen, ist nicht allzu viel von der deutschen Abstammung zu sehen. Vor drei Jahren kam Franz Lüttmann nach Füssen, um sich für ihn und seine Familie ein neues Leben aufzubauen. Füssen war für den heute 36-jährigen keine unbekannte Stadt. Mit 18 Jahren kam er als Au-Pair Junge nach Füssen, zur Familie Dehn, mit denen er ständig in Kontakt blieb. Heute hat er selbst drei Kinder und ist mit einer Ärztin verheiratet. „Ich vermisse Guatemala, seine bunten Farben“, erzählt der junge Familienvater. Wie viele andere südamerikanische Länder auch, ist das Gefälle zwischen arm und reich sehr groß. „Es gibt die ganz Reichen und die ganz Armen. Diese Armut kann man sich in Deutschland nicht vorstellen. Auf der einen Seite sind die Hochhäuser und auf der anderen Seite gibt es die Behausungen aus Karton“, erzählt der studierte Marketingprofi. Für seine Familie wollte er eine gesicherte Existenz. Seine Kinder sollen behütet aufwachsen, mit einer Perspektive für die Zukunft. „In Guatemala-Stadt leben vier Millionen Einwohner. Sie kommen von überall her, in der Hoffnung, eine Arbeit zu finden. Doch dafür braucht man einen Universitätsabschluss. Viele geraten auf die schiefe Bahn, nehmen Drogen und verlieren die Hoffnung“, erzählt der gläubige Christ.

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Der König kommt wieder PDF E-Mail

Im Gespräch mit Gerd Fischer

Kempten.    Er war der Märchenkönig, seinerzeit ein großer Visionär, dessen Leben oft kompliziert war. Viele haben über ihn, den bayerischen Märchenkönig König Ludwig II., geschrieben, sein Leben vertont und letztendlich spielerisch dargestellt. Auch in Füssen wurde ihm ein Denkmal gesetzt, und zwar mit einem Musical, pardon, mit zwei Musicals, die leider eingestellt werden mussten. Die Betreiber meldeten Insolvenz an. Ludwig ist keine leichte Kost, erst recht nicht, wenn man damit Geld verdienen möchte. Gerd Fischer, Produzent des zweiten Musicals will es nun abermals versuchen. Nach vier Jahren können die Besucher auf die „Kemptener Fassung“ gespannt sein. Viele alte Gesichter sind auch im neuen Musical zu sehen, unter anderem Nils Holger Bock. Die Musik ist von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine. Füssen aktuell sprach mit Gerd Fischer über die Füssener, die Markenrechte und natürlich auch darüber, warum das Stück in Kempten und nicht in Füssen aufgeführt wird.

Herr Fischer, wann startet das Musical in Kempten? Am 7. Juli.

Haben Sie die Befürchtung, das Musical könnte nicht gut ankommen weil das Ambiente nicht das ist, was es im Festspielhaus Füssen ist?
Nein, die Befürchtung habe ich nicht. Weil ich in meinem Leben in so vielen Theatern war, die nicht schön aber sehr gut waren. Und sie hatten Magie. Es kommt auf das Theaterstück an. Füssen ist mit seinem Festspielhaus unschlagbar, darüber müssen wir nicht reden, aber nur ein schönes Theater alleine ist eben nicht genug. Wenn das Licht erlischt und die Musik erklingt entscheidet die Qualität des Stückes. Man muss mit großer Leidenschaft Theater machen, dann ist der Ort nicht relevant.  

War Füssen eine Option für Sie? Meine Wahl ist immer Füssen gewesen. Kempten hat sich uns ausgesucht und angefragt. Meine Skepsis war am Anfang da, nach Kempten in die bigBox zu gehen. Doch wir haben uns vorsichtig, sehr behutsam angenähert und uns dann schnell geeinigt. Ich glaube, in Kempten wird so manch einer überrascht das Theater verlassen. Die Änderungen sind wirklich gelungen und das Stück findet eine große Akzeptanz bei den Reiseveranstaltern und Hotels.

Wie heißt das Stück? Ludwig – der König kommt zurück.

Warum gerade dieser Titel?  Nun, weil er zurückkommt und wir keine markenrechtliche Probleme haben wollen.

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Geierwally-Freilichtbühne unter neuer künstlerischer Leitung PDF E-Mail

Bernhard Wolf übernimmt für ein Jahr die Regie und die Leitung des Theaters

Elbigenalp.    Wer sich „Feinripp Ensemble“ nennen kann, der muss ganz schön schräg oder gewitzt sein. Markus Oberrauch und Thomas Gassner, die mit Bernhard Wolf das Ensemble bilden, sind beides: schräg, witzig und mit einem großen Repertoire an ausgefallenen, guten Ideen ausgestattet. Im Kellertheater in Innsbruck sind ihre Vorstellungen oft ausverkauft. Mit „Die Bibel leicht gekürzt“ wagten sie sich an ein sehr heikles Thema, das sie den Zuschauern auf eine amüsante, leichte Weise darboten. Wer sich an solche gewagten Themen traut und über schauspielerisches Talent verfügt, der kann auch die Leitung der Geierwally-Freilichtbühne übernehmen, dachte sich wohl die Vorstandschaft der Freilichtbühne und engagierte den jungen Bernhard Wolf. 

Der Schauspieler

Für Bernhard Wolf war die Geierwally-Freilichtbühne das Sprungbrett in die Schauspielerei. 1996 spielte er die Hauptrolle in „Die Schwabenkinder“. Seitdem war er immer wieder auf der Freilichtbühne präsent. Der gebürtige Lechtaler hat zuerst Elektroniker gelernt, bevor er 2001 auf die Schauspielschule nach Innsbruck ging. Gleich darauf wurde er für das Tiroler Landestheater engagiert. „Ich habe mich durch die Klassik gespielt, was manchmal schwer war, weil ich so jung aussah“, lacht Wolf.  Danach wagte der junge Lechtaler den Schritt in die freie Szene, den er bislang nicht bereut hat. „Ich habe interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich auch zusammen arbeiten durfte.“ Eine davon ist die junge Regisseurin Susi Weber, die Ruth Drexl protegierte. Für Bernhard Wolf ist es nicht verständlich, warum man immer der Kulturszene in Wien hinterher hascht. „Wir haben hier in Tirol eine wunderbare Theaterszene, ein gehobenes Volkstheater. Es ist überraschend, was für tolle Laiendarsteller wir hier im Lechtal haben. Das Potenzial ist groß“, meint er mit Blick auf die Darsteller der Geierwally-Freilichtbühne.

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Köche unter uns PDF E-Mail

Gourmetkoch Florian Wanner

„Ordnung ist alles“

Rückholz.   Mit elf Jahren wusste Florian Wanner, was er später mal werden will: Koch. Heute weiß er, dass seine Entscheidung richtig war. „In meinem Beruf kann man wunderbar eigene Akzente setzen“, schwärmt der 22-jährige Koch „vorausgesetzt man hat keinen cholerischen Küchenchef, der einem keinen Freiraum für Eigenkreationen lässt“. Die Lust am Kochen hat der junge Mann nicht verloren. Ganz im Gegenteil, es scheint so, dass ihn die Faszination am Kochen und die Kreativität, die damit verbunden ist, ganz fest im Griff hat. Lange bevor er den Teller anrichtet, spielt sich vorher in seinem Kopf genau ab, wie der Teller später auszusehen hat. 

Die Gastfreundschaft scheint der Familie Wanner sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden zu sein. Seit 102 Jahren gibt es das Panoramacafé in Seeleuten mit einem traumhaften Ausblick auf die Allgäuer Alpen und dem schönen Garten. Auch Florian und sein Bruder Magnus sind der Tradition treu geblieben und verwöhnen ihre Gäste mit ihren Kochkünsten. „Nächstes Jahr wollen wir ein kleines Gourmetrestaurant e

röffnen. Mein Bruder findet die Idee auch gut“, so Florian Wanner. Nur für ein paar Gäste, die das Besondere lieben und schätzen, soll das Gourmetrestaurant sein, „drei bis vier Tische, das würde vorerst reichen“, so der junge Koch. Später soll auch noch eine Kochschule dazu kommen.

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Mit Speed durch den Schmutz PDF E-Mail

Rallye-Fahrer Manuel Kößler

Füssen.    Rallye-Fahrer Manuel Kößler aus Füssen hat es zu einer beispiellosen Karriere gebracht. Der 22-jährige Rallye-Meister fuhr für sein Team in den letzten drei Jahren viele Siege bei nationalen Wettbewerben ein. Der Rallyesport ist seine große Leidenschaft, doch auch abseits der Piste hat er es schon weit gebracht. Beruflich wie privat ist der Spitzensportler aus Füssen an Erfolg gewöhnt. Und auch in diesem Jahr will der Rallye-Fahrer an seine Leistungen anknüpfen, denn die Sucht nach dem Mix aus Benzin, Schmutz und Geschwindigkeit lässt ihn nicht mehr los.

Im Alter von sechs Jahren begann die Karriere von Manuel Kößler. Sein Vater Josef Kößler schenkte ihm zum Geburtstag ein Kart-Fahrzeug. Im Volksmund sind diese Fahrzeuge auch unter dem Namen Go-Karts bekannt. Go-Karts sind einsitzige, offene Rennwagen mit wenig PS, die man als Rennfahrerlaie in den diversen Go-Kart-Hallen mit Freude gegen die Bande preschen lassen kann, um ein klein wenig das Gefühl von echten Rennen zu erhaschen. Der Kartsport war schon für viele Rennfahrer der Einstieg in den Motorsport. Unter anderem begannen die bekannten Formel-1-Größen Michael Schumacher, Ayrton Senna und Alain Prost ihre Rennsport-Karrieren auf der Kartbahn. Auch an Manuel Kößler ging der Reiz dieses Hobbysports nicht spurlos vorbei. Bis zu seinem 13. Lebensjahr trainierte er sein Geschick als Rennfahrer mit einem dieser Karts. Mit 14 sattelte er schließlich um auf ein Superkart. Superkarts, auch Superracekarts genannt, sind echte Rennwagen, die man mit einsitzigen Formelautos vergleichen kann. Diesen Sport betrieb er bis zu seinem 18. Geburtstag. In dieser Zeit fuhr Manuel Kößler vor allem Auto-Slalom. Dabei versucht man auf Kartbahnen, Parkplätzen oder abgesperrten Straßen einen vorgegebenen Parcours in möglichst schneller Zeit fehlerfrei zu bewältigen.

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„Ich bin glücklich in meiner Gemeinschaft“ PDF E-Mail

Im Gespräch mit Pallottiner-Pater Christoph Lentz

Füssen.    Viel zu heftig trat die katholische Kirche in den vergangener Monaten in die Schlagzeilen. Keine Präferenz für junge Leute und schon gar nicht für solche, die sich für den Beruf des Priesters entscheiden wollen. Könnte man meinen. Pater Christoph Lentz ist ein Geistlicher, der es versteht mit Menschen umzugehen. Vielleicht auch deswegen, weil er selbst schon einiges mitgemacht hat. Er ist ehrlich, offen, aber auch kritisch. „Es zwingt mich niemand so zu leben, wie ich lebe. Das habe ich selbst entschieden.“ Leben in Keuschheit, Armut und Gehorsam. „Ich bin glücklich in meiner Gemeinschaft“. 

Seit wann sind Sie in Füssen? Seit November vergangenen Jahres. Ich mache hier das so genannte Pastoraljahr, das 14 Monate dauert. Zweck dieses Pastoraljahres ist es, in der Gemeindearbeit zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Ich nannte mich früher den Schatten des Pfarrers. Mittlerweile kann ich vieles alleine machen: Taufen, Trauungen, Seelsorgegespräche, Jugendarbeit – eigentlich alles, was auch ein Pfarrer macht. Darum geht es auch, nämlich die Aufgabenfelder eines Pfarrers kennen zu lernen.

Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit? Ich hätte nicht gedacht, dass mir Gemeindearbeit so gut gefällt. Die Abwechslung der Arbeit gefällt mir sehr gut und die Bandbreite der Menschen. Hier Begleiter sein zu dürfen erlebe ich als großes Geschenk.

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„Noch als Physikstudent konnte ich kein Blut sehen“ PDF E-Mail

Dr. Heiko Hübner, Oberarzt der Zentralen Anästhesieabteilung der Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu

Füssen.    Dr. Heiko Hübner ist Anästhesist. Er ist in Mainz, Reinland-Pfalz, geboren und wurde nach einigen beruflichen Stationen von Dr. Joachim Klasen nach Kaufbeuren gelotst. Das war 2006. Als neuer Oberarzt wird sein Tätigkeitsschwerpunkt künftig im Füssener OP liegen. Der Facharzt für Anästhesie lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Osterzell. Obwohl sein Vater Anästhesist sei, „hatte ich zunächst völlig andere Berufspläne als Abiturient in Bad Nauheim“, erzählt Dr. Heiko Hübner. Er kam erst in die medizinische Schiene als sich im Wunschfach Physik spätestens im dritten Semester herauskristallisierte: mit diesem Studiengang würde er „keinesfalls“ glücklich werden. Die Konsequenz war sein Studienfachwechsel an der Universität in Mainz.

Über den Tag, als er seine überraschende Zulassung zum Medizinstudium in Mainz bekam, kann sich Dr. Heiko Hübner auch noch heute so freuen wie 1993: „Es war einfach unglaublich. Normalerweise hätte ich nach meinem Physik-Studienabbruch und dem Abschneiden im obligatorischen Medizinertest sieben Semester Wartezeit auf diesen zweiten Studienstart und einen Studienplatz – egal an welcher Universität – in Kauf nehmen müssen. Doch alles ist glücklicherweise anders gekommen.“ Das offizielle Losverfahren bescherte ihm den „gewünschten Platz und den sogar in Mainz. Davon konnte ich überhaupt nicht ausgehen und dachte schon darüber nach, ob ich die dreieinhalb Jahre Wartezeit bis zum Studienstart mit einer Krankenpflege-Ausbildung überbrücken sollte.“

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Asiens Nr. 7, für Afghanistan die Nr. 1 PDF E-Mail

Allgäuer verhilft Afghanistan zur Olympia-Teilnahme im Langlauf

Füssen. Das Jahr 2010 war an Zahlen gemessen das bisher schlimmste Jahr für das vom Krieg gezeichnete Afghanistan. In diesem Jahr fielen dort insgesamt 653 Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF. Das waren mehr gefallene Soldaten als in jedem anderen Kriegsjahr, fast ein Drittel aller 2.223 Gefallenen in zehn Jahren Krieg. Der afghanische Präsident Hamid Karzai gilt als korrupt und wird das Land noch bis 2014 regieren. Ausgerechnet in diesem Jahr sollen die afghanischen Truppen die alleinige Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen. Bisherige Wahlen, durch die ein geeigneter Nachfolger für Karzai gefunden werden sollte, verliefen ergebnislos. „Karzai will ein friedliches Afghanistan als sein politisches Erbe", berichtet ein Nato-Offizieller. Höchste Zeit also, dass sich etwas ändert in dem zerrütteten Land am Hindukusch.

Der gläubige Moslem und sein Betreuer Saebdil Naim bereiten sich mit einem Gebet auf den Wettkampf vor.Der 2. Februar diesen Jahres könnte ein Anfang gewesen sein. Vom 31. Januar bis zum 6. Februar fanden in Almaty, Kasachstan, die „Asian Winter Games 2011" statt. Für Kasachstan waren diese Winterspiele das größte Ereignis seit der Abspaltung von der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar flossen seit 2008 in den Ausbau der inländischen Sportstätten. Allein 726 Millionen US-Dollar wurden vom kasachischen Staatsetat gestemmt, den Rest übernahmen private Investoren. Diese Winterspiele waren jedoch nicht nur für Kasachstan eine Premiere, denn das afghanische Olympiakomitee stellte in diesem Jahr erstmalig einen afghanischen Sportler auf. Damit ist es das erste Mal, dass Afghanistan an internationalen Winterspielen teilnahm. Der Sportler, den Afghanistan nach Almaty entsandte, war Omar Rona, ein gebürtiger Kemptener. Der 26-Jährige besitzt die deutsche und afghanische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern sind vor über 45 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland eingewandert. Omars Vater führt ein Teppichgeschäft in Füssen. Omar selbst ist seit kurzem selbstständig und Inhaber des Eishockey-Fachgeschäfts „SBK Hockey Germany" in der Kemptener Strasse 26, Füssen. Dort vertreibt der ambitionierte Hobby-Athlet Eishockeyzubehör und bietet Serviceleistungen rund um den Eishockeysport. Omar Rona hat von klein auf Eishockey gespielt, ist außerdem Mitglied im Füssener Fußballverein „Türk Gücü" und betreibt als Hobby Langlauf im Skating-Stil.

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Man muss das Jetzt genießen PDF E-Mail

Der Allgäu-Düsseldorfer Gregor Lang

Füssen/Halblech. Er ist kein Freund von Superlativen und erst recht nicht, wenn es um seine Person geht. Er ist ein Düsseldorfer im Allgäu, der die Landschaft, aber vor allem die Menschen hier schätzt. Vor Jahren hätte sich der Musiker und Weinhändler ein Leben im Allgäu nicht vorstellen können. Düsseldorf, das war seine Stadt – eine pulsierende, rastlose, in der Kneipen neben Mode, Glamour und Kultur auf einer Ebene stehen.

Gregor Lang hat es sehr früh gelernt, selbständig zu werden. Als er elf Jahre alt war, starb seine Mutter. „Der Tod meiner Mutter hat mich sehr geprägt, ich hatte ein sehr enges Verhältnis mit meinem Vater. Meine Mutter war eher konservativ und mein Vater eher locker. Nach dem Tod meiner Mutter habe ich nie wieder Hausaufgaben gemacht", sagt er ruhig. Er war einer von sieben Jungs, die auf eine Mädchenschule, ein ehemaliges Nonnengymnasium, gingen. Irgendwie war die Schule nicht so sein Ding, erst Recht nicht, als er mit seinem Vater nach Fulda zog. „Ich kam einfach nicht mit dem Schulsystem in Hessen zurecht", nennt er den Grund. Nach der 11. Klasse ging er von der Schule ab und zog nach Düsseldorf zurück. Die Gastronomie-Szene faszinierte ihn sofort. „Da kommt man richtig in einen Hype. Ich habe viel verdient und auch viel ausgegeben. Irgendwann wurde es mir zuviel, ich musste einfach einen Schnitt machen. Ich wollte mein Leben leben, am liebsten in Italien und Kunst studieren. In Düsseldorf habe ich dann Wohnung und Job gekündigt und düste auf meinem Motorrad in die Toskana, dort hatte ein Gast von mir, den ich gut kannte, ein Haus. Ich durfte dort umsonst wohnen. Der Anfang war somit gemacht", erinnert sich Gregor Lang.

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„Die Rückkehr wurde zum Schlüsselerlebnis“ PDF E-Mail

HNO-Arzt Dr. Andreas Schütz hat stationäre Patienten

Füssen. Vor der Nachmittagssprechstunde lädt Dr. Andreas Schütz in einem Büroraum seiner Füssener Facharztpraxis für HNO (Hals-Nasen-Ohren) gemütlich bei einer Tasse Kaffee zu einem Gespräch über Familie, Medizin und mehr ein. Der Zeiger rückt auf 15 Uhr vor. Ab diesem Zeitpunkt ist der 39-jährige Praxisinhaber wieder für seine zahlreichen Patienten da. „Hier in der Reichenstraße endet gegen 18 Uhr die Sprechstunde. Danach gehe ich zu den stationären Patienten." Dr. Schütz weiß, dass er trotz seiner langen Arbeitstage zu beneiden ist. Der Weg am Lech hinunter ins Krankenhaus sei „immer ein schöner Weg".

HNO-Arzt Dr. Andreas Schütz hat durch die Belegstation an der Klinik Füssen einen Vorteil, der vor allem auch seinen vielen Patienten zugute kommt, die sich einer Operation unterziehen mussten. Er beschreibt diesen gewissen Vorteil ganz kurz so: „Bei meinen früheren Stationen im Arztberuf hatte ich nie diese längeren und vor allem auch besonders intensiven Kontakte zu erkrankten Menschen. Heute bin ich nicht mehr nur ein spezialisierter Chirurg, der seine Arbeit macht und den operierten Patienten dann gar nicht mehr sieht."

Die Verbindung als niedergelassener und Belegarzt hilft ihm in der regelmäßigen interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kollegen quasi einen Kreis zu schließen. Er erklärt: „Nach der entsprechenden Diagnose wird der Patient von mir ins Krankenhaus eingewiesen, dort operiert und täglich visitiert. Nach der stationären Entlassung erfolgt in der Praxis die ambulante Weiterbehandlung."

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Hier ist mein Geist frei PDF E-Mail

Florian Zwipf-Zaharia und seine Leidenschaft für die Kultur

Füssen. Eigentlich hätte er Jurist werden sollen, wie schon sein Vater, seine Großväter und seine Urgroßväter. Kennt man Florian Zwipf-Zaharia, ist es ganz selbstverständlich, dass dieser Mann die Kunst und die Musik liebt. Was lag also näher, als Musik-Theater-Regie zu studieren? Er war einer der wenigen, der das Glück hatte, bei dem renommierten Regisseur August Eberding, der einst Intendant an der Staatsoper in München war, zu studieren. Fünf Studenten waren für das Probestudium zugelassen. „Fünf Studenten, ein Professor. Ich hatte da ein großes Glück.", so Florian Zwipf-Zaharia.

Warum entscheidet man sich als 20-Jähriger für dieses Studium? „Meine Eltern haben mich und meine Geschwister ins Theater mitgenommen und uns mit Kultur konfrontiert. Irgendwie ist das hängen geblieben", erklärt Florian Zwipf-Zaharia. Klassische Musik und Literatur begeisterten damals den jungen Mann. In Jeans die Oper besuchen, war für den waschechten Münchner ganz normal. Für ihn war das Äußere nie wichtig genug. Er wollte Musik hören, erleben und sich mit ihr auseinandersetzen.

Erst als Statist an der Oper bekam er eine Ahnung von seinem zukünftigem Beruf. „Da wusste ich, was ich wollte! Ich wollte nicht die Welt verbessern, sondern es hat mich interessiert, mit Menschen zu arbeiten."

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Ein Land im Umbruch PDF E-Mail

Tarek Soltani über sein Land Tunesien

Prem/Füssen. Tarek Soltani ist seit 2002 in Deutschland. Zum Glück, wie er sagt. „Deutschland ist ein schönes Land. Ich sage immer, ein Deutscher muss mal ins Ausland gehen und dort leben, dann würden Deutsche vieles anders schätzen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich durfte eine Ausbildung machen, habe die Sprache gelernt, mehr kann man nicht erwarten", so der gelernte Koch. Tarek Soltani weiß, wovon er spricht. Nach den großen Unruhen in seinem Land Tunesien, macht er sich Sorgen. „Die Tunesier erfahren zum ersten Mal, wie es sein könnte in einer Demokratie zu leben."

Bislang gab es in dem Maghreb-Staat keine Menschenrechte, es war eine Diktatur, beklagt das tunesische Volk. Alle fünf Jahre ließ sich der tunesische Präsident Ben Ali quasi alleine wählen. Alle fünf Jahre mit dem gleichen Ergebnis: 94 Prozent. Immer wieder, obwohl er 1987 selbst ankündigte, dass jeder Präsident in Tunesien maximal drei Perioden im Amt bleiben dürfe. Tarek Soltani ist zwar weit weg von seinem Land, doch die Geschehnisse verfolgt er täglich in den Zeitungen und dem Fernsehen. „Natürlich mache ich mir Gedanken und auch Sorgen. Was wird aus Tunesien jetzt werden?" Soltani wünscht sich Demokratie und Meinungsfreiheit. „Es wäre für die Menschen und das Land fatal, wenn es anders kommen sollte." Der Koch, der seine Ausbildung in Deutschland machte und als Bester in Bad Wörishofen abschloss, will keine Unterdrückung mehr, auch keinen Religionsstaat. Davor haben die meisten Tunesier Angst. Sie befürchten ihre wichtigste Einnahmequelle, den Tourismus, dadurch zu verlieren. „Unser Land ist schön und unsere Leute sind gebildet. Wir wollen keinen Rückschritt, sondern Fortschritt", liest man in vereinzelten Blogs. „Ich bin stolz, dass ich Moslem und Araber bin. Meine Frau ist evangelisch und das ist auch gut so. Warum soll ich jemanden zwingen, meine Religion anzunehmen? Sie sagt ja zu mir auch nicht: ‚Tarek, du musst evangelisch werden’. Wichtig sind Respekt, die Toleranz und freie Meinung. Das Wort ‚muss’ sollte es nicht geben. ‚Muss’ bedeutet oft Unterdrückung. Ich finde, dass es an der Zeit ist, Politik und Religion zu trennen." Dieser Meinung werden wohl viele sein.

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Der Füssener Gürtelmacher in München PDF E-Mail

Thomas Wilhelm Beckert mit neuen Ideen

Füssen. Seit einem Jahr ist Thomas Beckert in München. Sein kleines Geschäft am Sendlinger Tor ist eine Rarität, ein kleines Schmuckstück. In München scheint Becki, wie er von den Füssenern genannt wird, gut anzukommen. Sie lieben seine Accessoires, die ausgefallenen Designerstücke wie Gürtel, Taschen, Jacken, Hosen ... sie sind Unikate wie der Designer selbst, der mit seinem Shabby Chic, ein Mix aus Eleganz, Retro und verstaubter Noblesse, seinen eigenen Stil kreiert hat. Füssen aktuell traf sich mit Becki und wollte wissen, wie es ihm in München geht und wann seine nächste Modenschau geplant ist.

Seit einem Jahr sind Sie mit Ihrem neuen Geschäft am Sendlinger Tor in München. Haben Sie es sich so vorgestellt? Nein, nicht ganz so, ein wenig anders. Aber ich kann mich nicht beklagen. Die Leute, die mein Atelier sehen, sind begeistert, allen voran vom Handwerk. Es gefällt ihnen sehr gut.

Das heißt Sie haben es nicht bereut, dass Sie in Bayerns Hauptstadt gezogen sind? Nicht unbedingt. In meinem Atelier habe ich exclusive Sachen, die einfach teurer sind. Da ist leider, oder sagen wir momentan, noch kein Publium dafür da. Es braucht noch einige Jahre, um in München bekannter zu werden. Ich hoffe, dass ich jetzt mit einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung auf mich aufmerksam machen kann. Darin geht es um mich und meine Arbeit.  Ich möchte gerne die Münchner ansprechen, die auf exclusive und extravagante Dinge stehen und auch Geld dafür ausgeben. Vielleicht schaffe ich es, sie mit meiner Modenschau zu begeistern.

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Junge Väter und ihre Kinder PDF E-Mail

Eine ungewisse Rolle des Elternseins

Typisches Kurzporträt: 17 bis 22 Jahre alt, Schüler, Auszubildender, Berufseinsteiger oder Student mit Hobbys wie Eishockey, Skaten, Fußball, Billard, Musik und Party machen. Besonderes Kennzeichen: gerade Vater geworden. Die jüngsten Papas, die sich erst seit kurzer Zeit rasieren müssen, stehen immer irgendwie im Schatten der jungen Mütter, denen die neue Rolle von allen Seiten – den Eltern und Freunden – ganz selbstverständlich zugetraut wird. Wie aber geht es dem jungen Mann, der bestimmt sehr gern ein guter Vater sein möchte, aber recht bald merkt, dass dies überhaupt kein Zuckerschlecken ist. Da kann das Baby noch so süß sein wie zum Beispiel Lea. Der heute 26-jährige Peter Kössel lässt in unserem Gespräch keine Zweifel aufkommen: Vor etwa vier Jahren war es richtig, „unser nicht geplantes Kind“ mit offenen Armen zu begrüßen.

Angst, überschwängliche Glücksgefühle, Überforderung und Begeisterung liegen bei jungen Männern, die Vater geworden sind, oft eng beieinander. Nur selten war ihr Vatersein geplant. Überraschend kam für viele aus dem Mund der Partnerin die Nachricht: Du wirst Vater, wir bekommen ein Kind. Sofort stellen sich Fragen, was die Zukunft bringt oder ob meine Pläne mit einem Schlag dahin sind? Ein erst 20-Jähriger wird sich auch fragen, ob er überhaupt Kinder möchte und das erste schon hier und heute und mit dieser ebenfalls noch blutjungen Frau?

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Füssen on Ice PDF E-Mail

BLZ-Leiter Helmar Erlewein im Porträt

Füssen.    Finanzbuchhalter, IT-Spezialist, Nationaltrainer. Helmar Erlewein hat viele Facetten. Der gebürtige Baden-Württemberger lebt seit 30 Jahren in Füssen und ist seit September 2010 als Verwaltungsleiter des „Bundesleistungszentrums für Eissport" in Füssen tätig. Hier kommt zusammen, was zusammen gehört – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Im Füssener BLZ war früher die deutsche Eishockey-National-Mannschaft zu Hause. Heute trainieren hier Jung und Alt aus dem Allgäu und erfreuen sich gemeinsam an Sportarten wie Eishockey, Eiskunstlauf, Curling oder Eisstockschießen.

Der 59-jährige Helmar Erlewein war schon immer sportlich sehr aktiv. Egal ob Skifahren, Schwimmen oder einfach nur Bewegung an der frischen Luft. Bis vor zwei Jahren spielte er in seiner Freizeit noch leidenschaftlich gern Curling. 2008 formierte Erlewein die deutsche National-Mannschaft im Rollstuhl-Curling, die schon zwei Jahre später bei den Paralympics in Vancouver erste Erfolge verbuchen konnte.Zwar war der jungen Mannschaft kein Platz auf dem Siegertreppchen vergönnt, doch der große Erfolg der Mannschaft brachte ihr bereits den Titel der besten deutschen „Behindertensportmannschaft des Jahres 2009" ein. Auf die Frage, warum er sich so aktiv im Behindertensport einbringt, weiß er keine richtige Antwort. „Aber ich finde es schlimm, dass das Thema in Deutschland totgeschwiegen wird", meint er dazu. „Hierzulande wird Behindertensport noch stiefmütterlich behandelt, aber die Akzeptanz steigt zusehends. In Zukunft kommt man daran wohl nicht mehr vorbei. Die Arbeit mit den Rollstuhl-Curlern macht für mich einfach Sinn."

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Südtiroler mit Hang zum Herz PDF E-Mail

Dr. Simon DelladioAssistenzarzt Dr. Simon Delladio

Füssen.    Die Möglichkeit, sich später möglichst in einer netten Umgebung in Deutschland, Italien oder Österreich mit eigener Praxis niederzulassen, bezieht der Südtiroler durchaus in Betracht. „Ich habe gern persönlichen Kontakt zu Patienten", betont der 31-jährige Assistenzarzt der Klinik Füssen. „Aber genau das haben wir doch an unserem Krankenhaus auch. Daher ist es wahrscheinlicher, dass ich Klinikarzt bleibe." Außerdem können sich die Assistenzärzte in der „Inneren" dank Chefarzt Dr. Hinterseer auf die „Muskelpumpe Herz" spezialisieren. Dr. Delladio: „Kardiologie ist das Gebiet, das mich besonders interessiert."

Bevor sich Dr. Simon Delladio am späten Nachmittag in der Klinik mit einer kleinen Brotzeit stärkt und dabei entspannt, war er als Notarzt im Einsatz. „Auf den Weg zu den Königschlössern hatte wieder einmal ein Tourist eine Herzattacke. Jetzt geht es ihm den Umständen entsprechend wieder gut." Andere Menschen versorgen, lernte der heutige Füssener Assistenzarzt nicht erst im Studium in Innsbruck, das er mit der Promotion 2006 abschloss. Nach seiner guten Matura hat er zehn Monate einen freiwilligen Zivildienst abgeleistet. „Die Begleitung von Krankentransporten beim Weißen Kreuz, wo ich später auch selbst Fahrer war, gab sicherlich den direkten Anstoß, Humanmedizin zu studieren. So konnte ich mir damals gut vorstellen, als Notarzt zu arbeiten." Als Student musste er viel trockenen naturwissenschaftlichen Stoff lernen. Das schreckte ihn aber nicht ab. „Besser als die Vorlesungen und die Seminare in Chemie oder Physik in den ersten Semestern haben mir natürlich die Anatomie- und andere Praktika gefallen", blickt er auf die Studienjahre zurück, die er mit dem italienischen Staatsexamen in Bologna abschloss.

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Ein kulinarisches Seniorenheim PDF E-Mail

Neue Ideen mit Norbert Vogtland

Füssen.    Wer mag es nicht, kulinarisch verwöhnt zu werden. Ein schön angerichteter Teller erfreut nicht nur das Auge, sondern regt auch den Appetit an. In guten Restaurants erwartet das der Gast. Er möchte bekocht werden und er erwartet Qualität. Norbert Vogtland kennt diese Erwartungen und erfüllte sie seinen Gästen auf Sylt, Österreich, der Schweiz und zuletzt auch als Chefkoch im Festspielhaus Füssen. Die „normale" Gastronomie hat der gelernte Koch verlassen. Seit dem 1. November kocht der 45-jährige Sauerländer für „seine" Senioren im St. Michael, Heilig-Geist Bürgerspital und dem St. Martin.

„Ich möchte etwas bewegen und kulinarischen Pepp auf die Teller unserer Bewohner bringen. Ich will, dass die Augen mitessen", erklärt Vogtland, der seit über 20 Jahren im Allgäu lebt. Mit verschränkten Armen und einem Blick, der keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen lässt, sitzt er im Zimmer seines Chefs, Matthias Stroeher.

Anspruchsvolle Herausforderung

Für Norbert Vogtland ist die Küche eines Seniorenheims ein Neuland. „Es ist eine Herausforderung, und die habe ich immer schon gebraucht", so der Familienvater. Die 250 Senioren, die Vogtland einige Male am Tag bekocht, haben den „Neuen" schon wohlwollend aufgenommen. „Es schmeckt lecker und sieht toll aus", kichern zwei Damen und gehen sogleich zu der großen Tafel im Gang, um zu sehen was ihnen Vogtland zum Mittagessen servieren wird. Es gibt Ratatouille, etwas, was die beiden noch nicht kennen. Doch das tut der guten Laune keinen Abbruch, im Gegenteil, sie können schließlich jeden Tag zwischen zwei Menüs wählen.

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