Natürlich gut Ein- und Durchschlafen – Teil 2

Na, haben Sie seit dem letztem Monat bereits besser geschlafen, sprich, war eines der beschriebenen Mittel schon das Richtige für Sie? Wenn ja, ist das natürlich ganz super, aber nichtsdestotrotz gibt es doch noch etliche Pflanzen und Präparate, die ich Ihnen gerne vorstellen möchte, um das Thema abzurunden.

Hopfen (Humulus lupulus)
In unseren Breiten ist Hopfen noch eine relativ junge Kulturpflanze, wurde erst ca. 1000 v. Chr. erwähnt und hier auch nur für Brauzwecke. Die Heilige Hildegard von Bingen schätzte ihn nicht besonders, stand ihm nur zu: „ … aber mit seiner Bitterkeit hält er eine gewisse Fäulnis von den Getränken fern“. Erst seit dem 18. Jahrhundert wurde der Hopfen als Schlaf- und Nervenmittel bekannt. In diesem Zusammenhang steht die sog. „Hopfenkrankheit“: als der Hopfen noch per Hand gezupft wurde, wurden die Erntearbeiter immer sehr schnell müde und gingen früh ins Bett. Der Grund waren natürlich die Wirkstoffe in den weiblichen Blütenständen, die in ihrem Harz Bitterstoffe mit den Substanzen Humulon und Lupulon sowie Bittersäuren enthalten. In den Zapfen kommt zusätzlich ätherisches Öl vor und die Vorstufen bestimmter Pflanzenfarbstoffe.

Hopfen wirkt hauptsächlich beruhigend und schlafverbessernd. Seine Inhaltsstoffe greifen an verschiedenen Stellen im Körper an, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern, möglicherweise mit einem ähnlichen Effekt wie das körpereigene Schlafhormon Melatonin. Er wird meist nicht alleine, sondern gerne zusammen mit Baldrian oder Passionsblume verwendet, da sich diese Pflanzen sehr gut ergänzen. Allerdings tritt die Wirkung nicht sofort ein, es kann schon mal 2-4 Wochen dauern. Sehr beliebt sind auch die sog. „Hopfenkissen“, aus Humulon und Hupulon entsteht ein Wirkstoff namens Methylbutenol, der selbst bei niedrigen Temperaturen leicht flüchtig ist und sehr gut sedierend wirkt. Schön ist auch ein Bad aus je 100 g Baldrianwurzel und Hopfen: die ganze Menge mit 2 L kochendem Wasser übergießen, 20 min. ziehen lassen, durchseihen und dem Badewasser (Temp. 35-37° C) zugeben, Badedauer 10-20 Minuten.

Lavendel (Lavandula officinalis)
Kaum eine Pflanze ist so sehr zum Sinnbild für Loslassen und Wohlbefinden geworden wie diese. Das betörende Geheimnis des Lavendels ist sein ätherisches Öl. Sein Name kommt wahrscheinlich vom lateinischen „lavare“ = waschen, dies aber nicht, weil er reinigende oder waschaktive Wirkstoffe enthält, sondern weil er diesen klaren Duft verströmt. Mönche brachten im 11. Jahrhundert den Lavendel über die Alpen nach Mitteleuropa und kultivierten ihn in ihren Klostergärten. Hildegard von Bingen beschrieb ihn als Mittel zur Dämpfung der Sinne und bei Unruhe, die meisten Menschen des Mittelalters sahen ihn allerdings als Liebeskraut und parfümierten sich selbst, Briefe, Kopfkissen etc. kräftig damit ein. Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in den Lavendelblüten, die 1-3% ätherisches Öl enthalten. Kapseln mit Lavendelöl – das ist die praktischste und einfachste Anwendung – helfen sehr gut bei Ein- und Durchschlafstörungen. Aber auch bei Angstzuständen am Tag mit den Symptomen wie Magen-Darm-Beschwerden, Herzklopfen, Muskelverspannungen, Schweißausbrüchen, Atemnot, Schwindel u.a., aber bei den sog. „Gedankenkreisen“, also, wenn das Gehirn einfach nicht zur Ruhe kommen kann, sind sie sehr hilfreich.

Melisse/Zitonenmelisse (Melissa officinalis)
Das Wort Melissa ist die gekürzte mittellateinische Form des griechischen „Melissophyllon“, das „Bienenblatt“ bedeutet, denn schon im Altertum wurde die Melisse als Bienenfutterpflanze angebaut. Hildegard von Bingen empfahl eine Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen für gute Träume, Paracelsus nannte sie „das beste Kräutlein für das Herz“, um nur einiges zu nennen. Und wer kennt nicht den 1611 von den Angehörigen des Carmeliter-Ordens zusammengestellten Klosterfrau-Melissengeist, der außer Alkohol, einer Mischung verschiedener ätherischer Öle auch das der Melisse beinhaltet? Das ätherische Öl entfaltet im Körper gleich mehrere Effekte. Besonders auf nervöse und ängstliche Menschen wirkt es leicht beruhigend und entspannend und kann so auch beim Einschlafen helfen. Allerdings wird hier die Melisse gerne mit Baldrian, Hopfen, Passionsblume oder Lavendel kombiniert. Und nicht zu vergessen: durch seine antivirale Wirkung kann eine Creme, die eine hochdosierte Zubereitung aus Melisse enthält, bei beginnendem Lippenherpes sehr hilfreich sein.
Wer gerne badet: 100 g Melissenblätter mit 1 l heißem Wasser übergießen, nach ca. 20 Minuten durchseihen und dem Badewasser zusetzen.

Wer ein Fan der Schüssler-Salze ist, für den habe ich auch noch ein paar Tipps:
Bei Schlaflosigkeit, speziell mit Einschlafstörungen empfiehlt sich die Nr. 7, Magnesium phosphoricum, das Salz, das in unserem Körper u.a. die Aktivität von Muskeln und Nerven dämpft und so eine Entspannung herbeiführt. Als sogenannte „Heiße 7“, das bedeutet 10 Tabletten in heißem Wasser aufgelöst und abends schluckweise getrunken wirkt dieses Mittel am Besten.
Bei Durchschlafstörungen wirkt sehr gut die Nr. 10, Natrium sulfuricum, das Salz der Entgiftung und Ausscheidung, das die inneren Organe reinigt.

Ich hoffe, Ihnen einige Anregungen für einen besseren Schlaf gegeben und haben und wünsche in diesem Sinne eine „gesegnete Nachtruhe“!

 

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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