Pflanzen der Liebe

Was bietet sich wohl besser an als der Wonnemonat Mai, um über Kräuter und Gewürze zu sprechen, die helfen, sich die oder den Angebetete/n gewogen zu machen. Das geht natürlich auch umgekehrt, wenn man das „Opfer“ und nicht der „Täter“ ist…

Safran (Crocus sativus)

Eine Krokus-Art aus der Familie der Schwertliliengewächse, die im Herbst violett blüht. Aus den Narben ihrer Blüten wird das ebenfalls Safran genannte Gewürz gewonnen. Laut der Mythologie soll er den Menschen von der Liebesgöttin Aphrodite geschenkt worden sein, als diese in Zypern an Land stieg. Von ihr erhielten die im Fachjargon „Aphrodisiaka“ genannten Mittel auch ihren Namen. Auf jeden Fall gehört der Safran zu den ältesten kultivierten Pflanzen der Menschheit und wurde zum Färben von Stoffen und Speisen, aber auch zu Heilzwecken angewandt. Safran wirkt hilfreich und unterstützend bei depressiven Verstimmungen und PMS (Unwohlsein vor der Menstruation) und stärkt zusammen mit Wirkstoffen aus der Curcumawurzel die Augen z.B. bei anstrengender Computerarbeit. Auch Entzündungen aller Art können gelindert werden und, wenn man einer französischen Studie Glauben schenken darf, ist Safran sogar ein natürliches Schlankheitsmittel: er soll das Sättigungsgefühl verstärken, den Appetit, besonders auf Süßes, hemmen und so die Anzahl der Zwischenmahlzeiten verringern. Heutzutage finden wir den Safran vorzugsweise in der orientalischen Küche, wo ihm auch jetzt noch immer eine aphrodisierende und berauschende Wirkung zugeschrieben wird. Um 1 kg Safran zu gewinnen, benötigt man ca. 150.000 – 200.000 Blüten aus einer Anbaufläche von ca. 10.000 Quadratmetern. Die Ernte ist reine Handarbeit – 1 guter Pflücker schafft 60-80 g pro Tag! Hinzu kommt noch, dass Safran nur 1 Mal im Jahr blüht: im Herbst für wenige Wochen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass er zu den teuersten Gewürzen der Welt zählt: 7 – 25 Euro pro Gramm sind durchaus legitim!
Bei diesen Preisen versuchen unseriöse Händler natürlich einen noch höheren Gewinn zu erzielen. Aber um gefälschten oder anderweitig gestreckten Safran zu entlarven, können Sie folgendermaßen vorgehen: Sie geben eine kleine Menge ihres Safranproduktes in warmes Wasser oder warme Milch. Wenn sich die Flüssigkeit sofort tiefgelb oder bräunlich färbt, ist es eine Fälschung. Echter Safran braucht mindestens 10-15 min. Einweichzeit, bevor sich seine Farbe ausbreitet. Auch ein Geschmackstest ist möglich: echter Safran riecht süß, schmeckt aber leicht bitter, gefälschter riecht und schmeckt gleichermaßen süß.

Echte Vanille (Vanilla planifolia)

Vanille war und ist ein kostbares Gewürz, braucht es doch ganze 3 Jahre sorgfältigster Pflege, bis diese spezielle Orchidee aus der Familie der Knabenkrautgewächse blüht. Und damit nicht genug: damit sie wirklich die begehrten Schoten trägt, muss jede Blüte von Hand mit einem Kaktusstachel oder Bambusstäbchen bestäubt werden, zumindest in den Ländern, in denen nicht die dazu geeigneten Insekten oder Vögel, v.a. Kolibris leben, z.B. auf der Insel Réunion, früher Île Bourbon genannt – daher der Name Bourbonvanille. Geschichtlich gesehen wurden die als Gewürz und Liebesmittel begehrten Früchte schon in vorkolonialer Zeit von den Azteken genutzt. Vermutlich als erster Europäer kostete der spanische Konquistador Hernán Cortés das Lieblingsgetränk des damaligen (und letzten) Aztekenherrschers Moctezuma (span. Montezuma). Es hieß Xocolatl, eine Art Trinkschokolade und bestand aus Wasser, Kakaopulver, Gewürzen, etwas Honig und vor allem aus Vanille. Cortés war schwer beeindruckt von diesem Getränk und berichtete, dass bereits ein Becher davon einen Soldaten während eines ganzen Tagesmarsches fit und frisch halten würde. Die Indianer hatten Xocolatl ganz gezielt zur Förderung der Gehirnleistung eingesetzt.

Noch heute werden in Mexiko Vanilleschoten gekaut, um die Potenz zu steigern. Heute weiß man, dass das in der Pflanze enthaltene Vanillin von der chemischen Struktur her den menschlichen Sexuallockstoffen, den Pheromonen, sehr ähnlich ist. Den höchsten Gehalt hat hier die Bourbon-Vanille. Im Jahre 1811 brachte Alexander von Humboldt die erste Schilderung einer Vanille-Kultur nach Europa. Allerdings – aus den vorher genannten Gründen und um die Erhaltung der Gelübde nicht zu gefährden, war es in manchen Klöstern den Mönchen verboten, Vanille zu sich zu nehmen.
Im Gegensatz zur echten, aber auch sehr teuren Vanille, die eine Komposition aus fast 200 natürlichen Einzelsubstanzen beinhaltet, wird für Billigprodukte synthetisches Vanillin aus einem Abfallprodukt der Papierindustrie hergestellt, das natürlich weder in der Wirkung noch im Geschmack an das Original herankommt. Es wird sogar vermutet, dass das Kunstprodukt sowohl das Nervensystem als auch das Erbgut schädigen könnte.
Wie werden die Vanilleschoten richtig in der Küche verwendet? Die die Samen umgebende ölige Flüssigkeit innerhalb der Kapsel enthält einen großen Anteil des Aromas und Geschmacks. Das ist der Grund, warum man für eine besonders intensive Aromatisierung von Speisen die Frucht der Länge nach aufschneiden und die Samen mitsamt dem anhaftenden Öl, das Vanillemark herauskratzen soll. Als Hauptaromaträger gilt jedoch die „Schote“ (Kapselhülle) selbst. Die darin enthaltenen Stoffe können durch Aufkochen in Milch, Sahne oder anderen Flüssigkeiten gewonnen und so z.B. für die Zubereitung einer Vanillesauce genutzt werden. Die abgewaschene und getrocknete Frucht kann so sogar mehrfach verwendet werden.

Sie werden sich vielleicht wundern, dass ich die „Königin der Liebespflanzen“, die Rose, gar nicht erwähnt habe, aber ich finde, sie verdient einen extra Bericht. Diesmal geht die Liebe halt eher durch den Magen!
Eine schöne Maienzeit und mehr Spaß am Leben,

Ihre Apothekerin Simone Wagner

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