Die Uhr im Hof des Klosters St. Mang tickt wieder

Wiederinbetriebnahme nach über zwei Jahrhunderten

Uns allen hat sie noch nie die Zeit gezeigt, jetzt tickt sie wieder richtig. Mit zwei offiziellen Schlägen ging die Uhr im Hof des Klosters St. Mang um Punkt 16:30 Uhr wieder in Betrieb. Über 200 Jahre zeigte sie keine Zeit mehr an, denn das zentrale Uhrwerk, das Thomas Barrensteiner zwischen 1718 und 1723 geschaffen hatte, war im Zuge der Säkularisation von 1803 ausgebaut worden. Seitdem standen die zahlreichen Zifferblätter im Klosterhof, in der Klausur sowie im Festsaal des Klosters still. Passend zum 300. Jubiläum des Klosters, das in diesem Jahr in der Lechstadt begangen wird, wurden die beiden Schläge der Uhr im Rahmen eines Pressetermins am Nachmittag nun feierlich empfangen.

„Die Idee entstand aufgrund eines Hinweises“, erklärt Füssens Bürgermeister Paul Iacob. „Eine Gruppe aus Mindelheim hat eine Stadtführung hier bei uns gemacht. Unter ihnen war auch Wolfgang Vogt, der Leiter des Mindelheimer Turmuhrenmuseums, dem während der Besichtigung des Klosters aufgefallen ist, dass die Zeiger der Uhren nicht funktionieren und dass es doch möglich sei, sie wieder zum Laufen zu bringen.“ Die Idee wurde im Rathaus mit großem Interesse aufgenommen und verfolgt. Zusammen mit Museumsleiter Dr. Anton Englert und dem Füssener Bauamt konnte das Projekt letztendlich geplant und realisiert werden. Allerdings war es nicht einfach, einen Uhrmachermeister ausfindig zu machen, der mit der damaligen Technik vertraut ist.

Ersatzteile für barocke Uhr im Internetauktionshaus

Durch eine großzügige Spende der alteingesessenen Füssener Uhrmacherfamilie Prinz, konnte die Stadt mit Markus Burmeister aus Sigmarszell schließlich einen der letzten deutschen Turmuhrenmacher beauftragen. „Das Uhrwerk wurde wassergestrahlt und die Mechanik mit historischen und neu hergestellen Ersatzteilen rekonstruiert“, so Burmeister. „Außerdem haben wir für die Rekonstruktion ausschließlich Materialien verwendet, die auch in der damaligen Zeit verwendet wurden.“ Auch im Internet wurde der Turmuhrenmacher auf der Suche nach Ersatzteilen fündig. Beim Auktionshaus Ebay erstand er für knapp unter einhundert Euro ein sogenanntes Kronrad, genau passend mit 36 Zähnen, das nun in der Uhr verbaut ist. Bereits innerhalb weniger Wochen konnten die Arbeiten an dem barocken Uhrwerk abgeschlossen werden.

Nun ist die Uhr an ein elektrisches Motorzeigerwerk und eine Funkuhr angeschlossen, die von einer Zentrale in Darmstadt aus gesteuert wird. Steht man jetzt im Klosterhof und blickt auf die Uhr über dem Eingangstor, sieht man die Zeit so angezeigt, wie es damals üblich gewesen ist. So werden auf dem größeren Zifferblatt die Stunden dargestellt, auf dem kleineren Zifferblatt darüber die Viertelstunden. Gelesen wird die Uhr von oben nach unten, zuerst die Viertel- oder halben Stunden, danach die ganzen Stunden. Zeigt die obere Uhr beispielsweise „Viertel nach“, ergänzt die untere Uhr mit der angezeigten „5“ die Stunde, also „Viertel nach Fünf“.

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