Das Barockkloster diente den Mönchen, Einwohnern und Wallfahrern zum Gebet und zu Gottesdiensten, die seither für viele Menschen zu einem Ort der Gottesbegegnung wurde.

300 Jahre Barockkloster St. Mang: Die kulturelle Bedeutung des Klosters früher und heute

Seit mehr als 300 Jahren prägt das Kloster St. Mang die Geschichte der Lechstadt. Vor allem hat der Barockbau auch die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Füssens über die Generationen hinweg entscheidend beeinflusst. Baumeister Johann Jakob Herkomer hatte es damals geschafft, die bestehenden Gebäude der alten Abtei in ein architektonisches Kunstwerk im italienischen Stil zu verwandeln.

Benötigt wurden für den Bau des Klosters zahlreiche Kunsthandwerker, Bauarbeiter, Stuckateure, Maler oder Bildhauer und Kunstschnitzer. Viele davon haben sich in oder rund um Füssen niedergelassen und letztendlich dazu beigetragen, dass sich die Stadt nicht nur als Herrschafts- und Wirtschaftszentrum entwickeln, sondern sich vor allem als kultureller Mittelpunkt der Region entfalten konnte.

Die Gründung des Benediktinerklosters St. Mang im 9. Jahrhundert reicht auf das Wirken des Einsiedlers Magnus zurück, der den Überlieferungen nach hier eine Zelle und ein Oratorium erbaut hat und dort verstarb. Die von Wundern begleitete Erhebung des unversehrt gebliebenen Leibes von Magnus, was seine Heiligkeit bewies, bildete die spirituelle Grundlage des Klosters. „Natürlich wurden schon durch die Gründung des Klosters die Weichen für die kulturelle Entwicklung gestellt“, erklärt Füssens Kulturamtsleiterin Karina Hager. „Denn die Gründung der Abtei war nicht nur religiös motiviert, im Hintergrund standen schon damals auch machtpolitische Interessen.“ Immerhin nahm das Kloster mit seiner Lage an einer der bedeutendsten Fernstraßen des Mittelalters eine geographische Schlüsselposition ein. „Für die Augsburger Bischöfe ging es auch darum, hier einen strategischen Punkt zu besetzen.“

Durch verschiedene Reformen, die das Leben der Mönche über die Jahrhunderte geprägt haben, wurden immer wieder bauliche Veränderungen an dem Benediktinerkloster vorgenommen. „Der Neubau, der zwischen 1696 und 1726 entstand, entsprach der gestalterischen Ausrichtung der katholischen Kirche in der Gegenreformation, die als Reaktion auf die Reformation zu verstehen ist. Die Errichtung des prunkvollen Barockbaus war auch eine Art Machtdemonstration.“ Das Bestreben des Bauherrn, dem derzeitigen Abt Gerhard Oberleitner, war es, Außerordentliches zu erschaffen und damit den „Neid aller Kunstfreunde zu erwecken“. So war das Kloster schon seit jeher auch ein Anziehungspunkt für Kunst und Kultur. Zwar konnte die Abtei die angestrebte Reichsunmittelbarkeit nie erlangen, dennoch prägte sie maßgeblich die Stadt und somit auch die gesamte Region. „Für Künstler und Handwerker war ein Auftrag im Kloster natürlich eine sehr starke Referenz. Immerhin durften sie auf der spektakulären Großbaustelle unter angesehenen Fachleuten wie dem Baumeister Johann Jakob Herkomer, seinem Neffen und Nachfolger Johann Georg Fischer und dem späteren Erbauer der Wieskirche, Dominikus Zimmermann, arbeiten.“

Zudem befassten sich die Mönche im Laufe der Zeit auch mit verschiedenen Wissenschaften, unterhielten eine Klosterschule für die Bürgerkinder und legten viel Wert auf die Pflege der Musik. Somit sorgte das Kloster auch für die kulturelle Entfaltung der Menschen im Ort, es förderte damit unter anderem den Lauten- und Geigenbau. „Es gibt Aufzeichnungen, die belegen, dass die Mönche auch immer wieder Instrumente bei den örtlichen Instrumentenbauern bestellt haben“, erklärt Karina Hager. „Das Kloster hat das Kulturleben in der ganzen Region also entscheidend beeinflusst.“

Daran hat sich über die Generationen auch nicht viel geändert, bis in die heutige Zeit. Auch heute noch stellt das Bauwerk einen der wichtigsten kulturellen Orte der Stadt dar. Räumlichkeiten wie der Kaisersaal werden für Konzerte genutzt, auch das Museum der Stadt Füssen ist hier beherbergt, genauso wie die Stadtbibliothek. „Eine gewisse Ehrfurcht ist natürlich schon da, vor der Geschichte dieser Stadt, des Klosters und des Gebäudes. Es ist natürlich auch ein Traum, wenn man in so einem Gebäude Kulturangebote entwickeln und anbieten kann. Wir fassen das hier im Kulturamt auch als Auftrag auf, diese kulturelle Vielfalt, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat, weiter zu pflegen und zu tragen. Es ist eine Aufgabe und eine Verpflichtung gegenüber der Geschichte, das kulturelle Erbe weiter zu erhalten und zu vermitteln.“

Termine

Mittwoch, 08.03. um 19.00 Uhr im Colloquium des Barockkloster St. Mang: Vortrag von Klaus Wankmiller: „Der Baumeister Johann Jakob Herkomer“

Mittwoch, 22.03. um 19.00 Uhr im Colloquium des Barockkloster St. Mang: Vortrag von Dr. Christof Paulus: „Arbeiten und Sterben in Füssen zur Zeit des Klosterneubaus von St. Mang“

Jeden Samstag, ab 01.04. – jeweils um 10.30 Uhr: Führung durch die Pfarrkirche St. Mang und das Kloster

Text: Lars Peter Schwarz · Bild: Hubert Riegger

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