Sie heißen „Sister’s Act“, „Omas Föhla“, „Blitzhoanar Weitnau“ oder ganz einfach „Augustiner“. Sie treffen sich am Faschingssamstag in Pfronten-Kappel, um mit ihrem selbstgebautem „Schalenggen“, auch Hörnerschlitten genannt, mit halsbrecherischem Tempo den etwa 1.000 Meter langen Hang runter zu rodeln. Früher war das Schalenggenfahren eine harte Arbeit – heute ist es ein pures Vergnügen.

Ein pures Vergnügen – Das Schalenggar-Rennen

Letztes Jahr fiel das Schalenggen-Rennen wegen Schneemangel aus. „Heuer gibt’s an Schnee. Des weard guat“, ist sich Hanne Allgayer sicher. Seit 30 Jahren ist sie die Vorsitzende des Kappeler-Schalengger-Vereins. Sie ist eine Frau in einer Männerdomäne möchte man meinen. Doch so ganz ist es nicht. Etwa 50 Teilnehmerinnen gehen an den Start und sind ziemlich gut, betont die 73-Jährige. „Die Frauen fahren mit Köpfchen“, sagt sie augenzwinkernd.

Über 200 Anmeldungen sind es jedes Jahr, die bei ihr auf dem Schreibtisch landen. Das entspricht Minimum 400 Teilnehmern, die am Start stehen und mit einem halsbrecherischen Tempo den Hang runter fahren.

Vom Start bis zum Ziel sind es etwa 200 Höhenmeter und die zwei Kurven erfordern ein gewisses Maß an Fahrkönnen. Manche schaffen es sogar ohne Blessuren ans Ziel zu kommen. Hanne Allgayer hatte als Kind einen Schlittenunfall. Seitdem ist sie nie wieder auf einem Schlitten gesessen. „Des isch nicht meins. Da hab i an Respekt davor“, sagt sie ehrlich. Nicht nur sie steht dem Schnee-Gefährt mit Respekt gegenüber. „Auch unser ehemaliger Pfarrer Heinrich hatte Bockangst und der ist trotzdem mitgefahren“, erzählt sie lachend. Das öfters mal Unfälle passieren, ist nichts ungewöhnliches. Meistens sind es Knieverletzungen, erzählt die Pfrontnerin. Jeder Teilnehmer haftet für sich selbst und jeder weiß,  welche Verletzungsrisiken die Schalenggenfahrt mit sich bringen kann. Und trotzdem lässt sich keiner davon abbringen mitzumachen. Selbst Teilnehmer aus benachbarten Ländern wie Spanien, Holland oder sogar Amerika melden sich bei Hanne Allgayer an. „Sie fahren dann meistens mit einem von uns mit“, sagt sie. Es ist eine wunderbare Erinnerung, die man nicht so leicht vergisst. Der am weitesten Angereiste bekommt zusätzlich einen Pokal überreicht.  Selbstverständlich ist auch die gemeinsame Fahrt vom katholischen und evangelischen Pfarrer auf einem Schlitten ein Muss, genauso wie die Teilnahme der Bürgermeisterin. Sie startet mit den Orginallern, die im traditionellen Gewand den Schallenggen, voll beladen mit Heu, in die Zielgerade bringen. Etwa 12 bis 14 Schlitten sind das jedes Jahr, die zwischendurch starten und dem Publikum zeigen wie ein beladener Schlitten aussah und wie mühsam die Arbeit gewesen ist. Denn nicht nur Heu wurde mit dem Schalenggen ins Dorf transportiert, sondern auch Brennholz.

Das Schalenggar-Rennen findet am 25. Februar um
12 Uhr in Pfronten Kappel statt. Siegerehrung ist um ca. 16 Uhr. Gefeiert wird bis Mitternacht im Partyzelt.  Anmeldungen bis zum 19. Februar möglich. Anmeldeformulare gibt es unter www.kappelar-schalenggar.de.
Weitere Infos bei Hanne Allgayer, Telefon 08362 / 5146

Text: Sabina Riegger · Bild: Hubert Riegger

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