Kreuzverhör

Justizdramen mit einem vermeintlichen Bösewicht, der in Wirklichkeit aber gar keiner ist und dessen Hoffnung auf Freiheit, Gerechtigkeit und die Wahrheit allein in den Händen seines engagierten Verteidigers liegt, uh- die packen mich. Ich kann den Druck des Kreuzverhörs bis auf die Couch spüren. Ich bin angespannt, nervös.

Korruption, Falschaussagen, Lügen und irgendwo dazwischen die Wahrheit. Und nur die zählt. Aber was, wenn die Wahrheit ignoriert, untergraben oder verdreht wird?! Was passiert mit dem Angeklagten? Mit seinen Erklärungen, Aussagen, mit seiner selbst?
„Justitia, bist du da?“

Der Druck steigt. Und das Netz der Skepsis verdichtet sich.
Dann steht man also da, ist all den Fragen ausgesetzt und versucht sich zu erklären. Ein Kreuzverhör… Puh… Kenne ich:
„Mama, wie kommt das Baby in deinen Bauch?!“
„Ähm…“
„WIE Mama?!“
„Du bist vier Jahre alt mein Schatz und unser Baby… also…“
„Mami, WIE????“

Ich hab mich von der Geschichte mit den Bienchen distanziert. Die Kernaussage meines Erklärungsversuchs war die Wahrheit. Und zwar nichts als die Wahrheit: Mama plus Papa und ganz viel Liebe ergibt mit viel Glück dann das Baby. Unser Baby.
Es lief gut. Mein Kind war glücklich und ich erleichtert. Meine Gesichtsfarbe normalisierte sich allmählich von Schamesrot auf Prall-Rosé.

Wir machten da weiter, wo wir vor der Fragestunde aufgehört haben: Wir beide auf der Couch, zusammengekuschelt mit Janosch und Tiger auf dem Weg nach Panama. Es war still. Irgendwie zu still. Jedenfalls ruhiger als sonst. Keine Fragen zu Tiger und Bär, keine Anmerkungen, kein Lachen. Nix. Wir waren einfach nur ruhig. Alle Beide.

Kurz dachte ich an die Ruhe vor dem Sturm. Wahrscheinlich nur deswegen, weil ich schon wusste, dass selbst im schönen Panama mal ein Sturm aufziehen würde. Nach zehntausend Mal hören wusste ich, was den zwei Freunden auf ihrer Reise noch bevorstand. Aber mir war nicht klar, dass mein vermeintliches Happy End doch noch keins war:

„Mama, sag mir eine Zahl! Wann ist das Baby in deinen Bauch gekommen?
„Häh?!“
„EINE ZAHL. SAG MIR EINE ZAHL! WANN???“

Wie heißt das, im Zweifel für den Angeklagten?! Ich muss mein Schlussplädoyer überarbeiten. Hilfe…

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