Deutschland ist so strukturiert

„Ein schöner blauer Himmel“

Schwangau.   „Er ist einfach der Mann an meiner Seite, einen anderen kann ich mir gar nicht vorstellen“. Für Carolin Gonzales Barrenechea, geborene Hackenberg, ist ihr Juan der Mittelpunkt in ihrem Leben. Dabei hat alles sehr nüchtern angefangen. Die blonde Allgäuerin bekam ein Angebot aus Lima, im Suiss Hotel das F&B Management zu übernehmen. „Eine schöne Sache – ich hatte bereits im Ausland gearbeitet und wollte natürlich noch mehr Erfahrung sammeln“, erzählt sie sachlich. Dass sie gerade dort den Mann ihres Lebens finden sollte, hätte sie nie gedacht. Schließlich wollte sie wieder zurück in ihr geliebtes Allgäu, zurück zur Familie und den Freunden. Die Auslandsaufenthalte sollten nur gute Referenzen sein. Juan arbeitete dort als Room Devison Manager und das seit 15 Jahren. Aus gegenseitiger Begeisterung wurde erst Freundschaft, bis beide merkten, dass es doch viel mehr ist, als sie es sich zugestehen wollten. Letztes Jahr im September haben die zwei geheiratet, ganz traditionell in Tracht – so wie es im Allgäu Brauch ist.

Der blaue Himmel

Juans Deutsch ist noch etwas holprig – manchmal sucht er nach Worten, die genau das ausdrücken sollen, was er gerade denkt und fühlt. „Es ist nicht immer leicht“ und schaut dabei seine Frau an. Sie ermuntert ihn weiterzusprechen, sagt ihm Worte und Sätze auf Spanisch, die in meinen Ohren wie Musik klingen. Juan lacht und erzählt von seinem ersten Besuch in Deutschland. „Ich war so überrascht, als ich Caros Papa besucht habe, ich konnte frische Luft einatmen – in Lima ist das ein Luxus. Zum ersten Mal sah ich einen richtigen blauen Himmel mit Wolken  und der Schnee glitzerte“, erzählt er enthusiastisch. Kein Vergleich zu Lima und seinem Himmel, der alle Grautöne in sich vereint. „Es ist der Smog, die viele Industrie, die den Himmel so grau macht“, sagt er nachdenklich. Wer einen blauen Himmel sehen möchte, muss im Umkreis von 50 oder 100 Kilometer außerhalb von Lima suchen.

An vieles hat sich Juan Franzisco Gonzalez Barrenechea gewöhnt – auch an das viele Fleisch und die Wurst, oder dass man Bier immer trinken kann, zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Bei uns isst man zu jedem Gericht Reis und Brot oder auch Ceviche.  Das Gericht besteht aus rohen Fischstücken, die in Limettensaft mariniert werden und dann zusammen mit Zwiebeln und Kartoffeln, Mais oder Camote als Beilage gegessen wird. Carolin mag das nicht so gerne“, meint er lachend. Wie auf Kommando schüttelt sich die Allgäuerin, die an den Limettensaft und den Fisch denkt.

Deutschland gefällt dem Hotelfachmann ganz gut. „Es ist ein gut strukturiertes und soziales Land. Nicht zu vergleichen mit Lima“, sagt er und erklärt die chaotische Verkehrslage seines Landes. „Wir haben keine Kurven. Bei uns ist alles entweder gerade oder rechteckig und jeder fährt wie er mag. Hier ist alles so geordnet.“ Dass man hier problemlos über das Internet einkaufen oder gar in einem Geschäft mit einer Kreditkarte einkaufen kann, fasziniert den Südamerikaner immer wieder. „In Peru zahlst du erst einmal dann bekommst du die Ware. Selbst die Kreditkarten sind nicht vertrauenswürdig. Hier stellt man das Fahrrad draußen ab, in Peru dürfte man das Fahrrad nicht einmal eine Sekunde aus den Augen lassen. Die Deutschen machen vieles selbst, sie sind richtige Handwerker. Peruaner sind da ganz anders, sie holen sich für alles was sie brauchen einen Handwerker oder zumindest jemanden, der das anbietet.“

Ein Neuanfang

Für Juan Franzisco Gonzalez Barrenechea bedeutet Deutschland ein Neuanfang, ein neues Leben an der Seite seiner Frau, auch wenn er manchmal Sehnsucht nach Peru hat. „Das ist doch ganz normal – aber ich bin hier wunderbar aufgenommen worden. Ich habe nette Kollegen und wir haben gute Freunde, das ist für einen Neuanfang das Wichtigste überhaupt“, sagt er dankbar. Seit einiger Zeit arbeitet er als Küchenhilfe in der Fachklinik Enzensberg. „Ich habe Glück gehabt, weil alle sehr nett zu mir sind. Jeder bringt mir etwas bei und sie behandeln mich alle respektvoll“. Im April tritt er im Rahmen von KiK (Kultur in der Klinik) mit einem Klavierkonzert in der Fachklinik Enzensberg auf. „Das habe ich einem Kollegen und Frau Hiemer zu verdanken. Ich freue mich schon sehr auf das Konzert“. In Peru gab er zwei große Konzerte und in seiner Kirche spielte er regelmäßig. Wie viele Süd-amerikaner, ist Juan Franzisco Gonzalez Barrenechea sehr gläubig. Regelmäßige Bibelkreise oder Kommunionsvorbereitungen waren für ihn Alltag. Irgendwann, so hofft er, wird er sich noch besser integrieren können. Spätestens dann, wenn er nicht mehr nach den deutschen Wörtern suchen muss, die das ausdrücken sollen, was er sagen möchte. „Dann finde ich auch sicher jemanden, der mit mir Tennis spielen will, weil das neben Klavierspielen mein liebstes Hobby ist“.

Text: Sabina Riegger · Bild: privat

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